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We

don’t need no education
we don’t need no thought control

Wie viele von denen, die heute lautstark fordern, im Auftrag von Schule nicht Erziehung, sondern Umerziehung zu sehen, haben damals da eigentlich laut mitgesungen?

Teacher! Leave them kids alone!

Ein Kommentar

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Warum ich die Petition unterschrieben habe

Zugegeben. Die bei openPetition eingestellte Online-Petition „Zukunft – Verantwortung – Lernen. Kein Bildungsplan unter der Ideologie des Regenbogens“ ist kein Text, dem eine überaus liberale Gesinnung aus den Poren rinnt. Kein Wunder, kommt sie doch aus einer erzreligiösen Ecke.

Während ich den Forderungen der Petition vorbehaltlos zustimmen kann, kann ich nicht umhin zur Kenntnis zu nehmen, dass die Begründung dieser Forderungen mehr als unterschwellig homophob daher kommt.

Und so verwundern auch nicht die Webseiten, von denen sich die Petition die Besucher anzieht, und auch nicht die Kommentare, die die die Besucher hinterlassen.

Und mit sowas soll man sich gemein machen? Ich habe mich – zumindest diesmal – dafür entschieden. Manchmal muss man es mit der amerikanischen Methode halten: Der Feind Deines Feindes ist Dein Freund. Und wenn es die Taliban sind. Immerhin geht’s gegen die Kommunisten.

Schade, dass die Begründung der Petition so dämlich daher kommt. Denn so lange solche Petitionen so begründet werden, ist es in der Tat sinnvoll und richtig, auch in der Schule den Kindern eine helfende Hand zu reichen, die dabei sind ihre sexuelle Identität am anderen Ufer zu verorten, und in ihren Elternhäusern auf Ablehnung stoßen. Gegen die Aufnahme eines Abschnitts in den Bildungsplan, der als Ziel die Findung einer sexuellen Identität hat, mit der sich die Jugendlichen wohl fühlen, egal ob Hetero-Männlein, hetero-Weiblein, schwul, lesbisch, bi, tri oder was auch immer, wäre also nichts einzuwenden. Mädchen zu unterstützen, Frau zu werden, ohne magersüchtig zu werden. Jungs zu helfen, Männer zu werden, ohne den Angebermacker zu spielen. Homosexuell veranlagten zu helfen, die Homosexualität als ihre Natur anzunehmen, derer sie sich nicht zu schämen brauchen. Ich habe auch nichts dagegen, der Schule die Aufgabe aufzudrücken, in den Einzelfällen, in denen die sexuelle Identität in die Grenzbereiche des gesellschaftlich Erträglichen rutscht, Wege zu vermitteln damit umzugehen, ohne von Brücken zu springen, ohne homophob, misandrisch, misogyn, schizophren oder zum Straftäter zu werden.

Allein, dieser Entwurf zum Bildungsplan 2015 enthält etwas anderes. Er erlegt den Schulen auf, die Schüler zur „Akzeptanz sexueller Vielfalt“ zu erziehen, und zwar als Querschnittsaufgabe, in allen Jahrgangsstufen, in allen Fächern. Wobei sich die „sexuelle Vielfalt“ dann ziemlich nachdrücklich auf die homosexuelle und trans- und intersexuelle Spielart sexueller Vielfalt bezieht.

Auf den Spuren der Politkommissare

Wie viele Trans- und Intersexuelle in Deutschland gibt es, mit deren Lebensweise sich Schüler nun unbedingt auseinandersetzen sollen, um zu lernen, sie als „normal“ zu akzeptieren? Meines Wissens deutlich weniger als ein Promille. Zum Vergleich: Die Prävalenz für primäre Pädophile bei Männern liegt etwa bei einem halben Prozent. Ich möchte den #Aufschrei sehen, würde ein Bildungsplan etwa fordern, dass sich Kinder in den digitalen Medien über „Lebenssituationen von Pädophilen“ zu informieren hätten, oder die stereotype Darstellung von Pädophilen in den Medien erkennen lernen sollten. In Bezug auf die deutlich geringere Anzahl der Transsexuellen in Deutschland muss dies aber im Bereich Medienbildung passieren (S.23)

Das ist das Problem dieses Bildungsplanes: Eine einzelne Lobbygruppe ist dabei, ihre Partikularinteressen ins Curriculum zu hieven. Dies gelingt, weil in den Landesregierungen flächendeckend Politkommissare aus dem Gendertröten-Pool installiert werden konnten, die in alle Prozesse der Ministerialbürokratie eingebunden werden müssen, und an denen offenbar kein Papier mehr vorbei kommt, in dem irgendwelche Leitlinien entwickelt werden sollen.

Das wird schon rein formal deutlich. Die Abschnitte zur „Akzeptanz sexueller Vielfalt“ setzen sich vom Rest des Dokumentes in der Art ihrer Formatierung in auffälliger Weise ab. Als hätten Bildungsreferenten ein erstes Papier erstellt, und als sei danach die ganze Datei ins baden-württembergische Allesaußermännerministerium oder an die bildungsministerliche Gleichstellungsbeauftragte weitergereicht worden, wo das Ganze kräftig nach eigenem Gusto ergänzt wurde.

Neben den offenbar im Nachhinein angefügten Abschnitten auf den Seiten 9, 12, 23, 32 wird das besonders deutlich im Bereich „Prävention und Gesundsheitsförderung“: Da gibt es (S. 25/26) im Punkt 4: „können sich selbst als Persönlichkeit wahrnehmen“ ohnehinschon als mögliche Inhalte: „Erkennen der eigenen sexuellen Identität und Respektieren anderer sexueller Identitäten und Lebensentwürfe“ (man beachte, dass hier von „Resepektieren“, nicht von „Akzeptieren“ die Rede ist). Was an dieser Stelle im Bildungsplan sinnvoll und vollkommen ausreichend gewichtet wäre. Nichts desto trotz gibt es (wieder am Ende, wo man eine Anfügung erwarten würde), noch den Punkt 11, der fordert, die Schüler hätten „Lebenssituationen von LSBTTI-Menschen“ zu kennen (S 29.). Als hätte die verantwortliche Politkommissarin beim Durchlesen der ihr zur Korrektur überlassenen Vorlage den Punkt 4 gar nicht wahrgenommen.

Auch sehr bezeichnend das Abkürzungsverzeichnis (S. 32). Während brav alle Fächer untereinander aufgelistet werden, steht – wiederum am Ende und in einem gesonderten Abschnitt – die Abkürzung „LSBTTI“, die auch wirklich erklärungsbedürftig ist

Konkrete Auswirkungen

Offiziell formuliert das Papier also fünf Leitprinzipien neben dem eigentlichen Lernstoff (Berufliche Orientierung, Nachhaltige Entwicklung, Medienbildung, Prävention- und Gesundheitsförderung, Verbraucherbildung). Inoffiziell kommt mit der „Akzeptanz sexueller Vielfalt“ gleichrangig(!) ein weiteres dazu.

Diesem Bildungsplan nach sollte es nicht reichen, seine eigene sexuelle Identität zu erkennen und die anderer Menschen gelten zu lassen. Nein, die Schüler sollen sich intensiv mit einer ganz bestimmten Spielart von Sexualität auseinander setzen. Sie sollen sich mit schwule-lesbischem Theater, Film, und Literatur beschäftigen (S.12), mit „herausragenden […] LSBTTI-Menschen“, sollen im Internet nach „Lebenssituationen von LSBTTI-Menschen“ fahnden (S.23, das wird bestimmt ein Spaß, wenn die nach „Lesben Bilder“ googeln), und mit dem Transsexuellengesetz (S.29).

Verhältnismäßigkeit

Nochmal zur Erinnerung: Der Bildungsplan formuliert explizit einen Bildungsanspruch dahingehend, dass sich die Schüler intensiv mit einer Minderheit beschäftigen, die – zumindest soweit es die Inter- und Transsexuellen betrifft – irgendwo zwischen 0,05% und 0,5% Anteil an der Gesamtbevölkerung hat. Nimmt man die Schwulen und Lesben als Hauptschützlinge der Genderlobby mit rein, reden wir über 5% bis 10%, deren Sorgen und Nöte aktiv in der Schule behandelt werden sollten.

Das wäre an sich nicht schlimm, wenn der Bildungsplan andere Minderheiten mit ihren Sorgen und Nöten genauso herausstreichen würde. Was ist mit den Wohnungslosen, die etwa 0,2 % der Bevölkerung stellen?  Was ist mit den Zigeunern (nein, das sind nicht nur Sinti und Roma), die einen ähnlichen Anteil haben? Wo bleibt im Bildungsplan die Forderung nach intensiver Beschäftigung der Diskriminierung und der Probleme, denen Menschen mit Down-Sydrom unterworfen sind, immerhin auch 0,15% der Bevölkerung?

Wieso schert sich der Bildungsplan einen Dreck um die Nöte der Arbeitslosen und die Kinder aus Arbeitslosenfamilien? 15%(!) aller Kinder haben einen arbeitslosen Vater. Weit mehr als die, die einen schwulen Bruder haben oder eine lesbische Schwester oder selbst entsprechende Polung. Müsste das nicht Thema sein in der Schule? Gibt’s hier keine Diskriminierungen, wenn diese Kids echte Gracelands von Deichmann tragen statt Nike? Der Bildungsplan erwähnt sie nicht. Nicht ein Wort.

Bei Frauen gibt es eine Prävalenzrate von 10% für Depressionen. Weit mehr Frauen sind depressiv als lesbisch. Erwähnung im Bildungsplan? Nada. 9% aller Männer haben Schwierigkeiten, zwischen Rot und Grün einen Unterschied zu sehen, und das ist nicht politisch gemeint. Das schafft echte Handicaps im Leben, und ist dem Bildungsplan nicht ein Wörtlein wert.

Nein. All diese anderen Teil-, Rand-, und Sondergruppen haben keine institutionalisierte Lobby. Noch nichtmal die Behinderten haben es geschafft, im Bildungsplan Erwähnung zu finden.

Das schaffen nur die von der Gendertrötenmafia Betüttelten. Und ganz ehrlich: Wir, als Gesellschaft, als Eltern, als Lehrer, als Kinder und Jugendliche, wir haben andere Sorgen. Es wird Zeit, dass wir diesen Ideologen das Handwerk legen, die mit der Tatsache nicht klarkommen, dass manche sexuelle Orientierung und manche Lebenseinstellung eben nur als Sonderfall, aber nicht als Norm in der menschlichen Biologie und damit auch in der Gesellschaft vorkommt.

Deshalb meine Unterschrift. Weil eine richtige Forderung gegen die richtigen Leute auch dann unterstützt werden muss, wenn die Begründung falsch ist.

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