Monatsarchiv: Juli 2015

Feministische Methodik oder: mit Zahlen lügen

Den jüngsten der wie üblich dämlichen Beiträge der Zeit zum Thema Gender Mainstreaming, einem Interview mit der wie üblich dämliche Hohlphrasen dreschenden Domscheid-Berg, bei der sich die wie üblich für eine Journalistin oder Karriereberaterin oder was auch immer haltende Sabine Höckling als Stichwortgeberin andient, inhaltlich zu besprechen, lohnt nicht. Hat Hadmut Danisch gewohnt intelligent schon getan.

Daher mal ein Blick in einen der Kommentare. Der/die wie üblich feministisch angehauchte c.t. kramt zwei Studien raus, die mal wieder die fiese Diskriminierung von Frauen durch den patriarchalisch-heterosexuellen Komplex oder wen auch immer bestätigen sollen.

Die erste davon ist „Akman et al 2005“, und weil ich im Hotel sitze und keine Lust auf mehr als 10 Stunden Arbeit heute habe, hab ich mir mal die Mühe gemacht, da hinterher zu gehen. Immerhin bringt’s diese angebliche „Studie“ auf etwa 5000 Google-Treffer, vorwiegend aus dem feministisch-genderistischem Zitierkarussell.

Nun denn. Zeit, ein wenig Sand ins Karussellgetriebe zu streuen.

Denn, was ist sind denn nun jene bahnbrechenden Forschungen von „Akman. et al“? Die Heinrich Böll-Stiftung hat sie dankenswerterweise online. Es ist ein kurzes Aufsätzlein, erschienen in der Verbandspublikation eines Personaler-Vereins. Was hat die Autorin, Frau Saro Akman (auf Stellensuche) gemacht? Sie hat je vier Online(!) Fake-Bewerbungen an 35 Unternehmen geschickt. Einmal als deutscher Mann, einmal als deutsche Frau, einmal als türkischer Mann, einmal als türkische Frau.

Sie behauptet, dass all diese virtuellen Bewerber extrem gut auf die jeweilige, angeblich offene Position zugeschnitten waren. Dass die vorgeblichen Bewerber Prädikatsexamen, Auslandsaufenthalte und Praktika vorzuweisen hatten, dann auch noch englisch, französisch, in zwei Fällen auch türkisch sprachen und SPSS bedienen konnten.

Dennoch kassierten diese zum überwiegenden Teil Absagen. Was doch sehr verwundert, denn welches Unternehmen würde angeblich zu 100% passende Bewerber noch nicht mal zum Bewerbungsgespäch einladen? Man kann nur vermuten, dass die versendeten Bewerbungen eben nicht Bewerbungen auf ausgeschriebene Stellen waren, sondern (auch) elektronische Blindbewerbungen. Und dass man’s vielleicht ein bisschen übertrieben hat und unglaubwürdig wurde.

Wie auch immer, gliedert man die Antworten nach Absagen und Einladung zu Bewerbungsgesprächen, ergibt sich folgende Bild:

 akman01Zahlenmaterial: Akman et al 2005, Grafik: Eigene Darstellung

Akman nutzt nun einen billigen grafisch-statistischen Trick, nämlich die Skala nicht im Nullpunkt beginnen zu lassen. Statt die Chancen aller Bewerber zu zeigen, zeigt sie nur die Chancen bei den wenigen 7 Unternehmen, die die vier Bewerbungen nicht exakt gleich behandelten.

akman02

Quelle: Akman et al 2005

Das sieht doch gleich viel ungerechter aus. Rein optisch suggeriert es, dass deutsche Männer eine 60%-Chance hätten, zu Bewerbungsgesprächen eingeladen zu werden, und türkische Frauen gar keine. Der Mensch ist ein Augentier. Wer liest schon Text und versucht olle Zahlen zu verstehen, wenn man ihr ein hübsches Bild vorsetzt?

Obwohl also die Chancen der unterschiedlichen virtuellen Bewerber auf die Einladung zu einem Bewerbungsgespräch halbwegs gleich niedrig waren (deutscher Mann: 22%, deutsche Frau: 20%, türkische Frau: 11%, bei minimalen Fallzahlen und daraus vermutlich deutlicher Nicht-Signifikanz der Eigenschaft „Frau“ bzw. „türkisch“ für die Einladung), suggeriert Akman in ihrer Grafik und im auf die Grafik folgende Text quasi eine Chancenlosigkeit der türkischen Frau qua Diskriminierung:  „Während die türkische Frau von diesen Unternehmen durchgehend eine Absage erhielt“, „Das ‚Schlusslicht‘ bildet die türkische Frau; sie hat nur Absagen erhalten“. Nein hat sie nicht. Sie wurde viermal eingeladen. Halb so oft wie der deutsche Mann, aber immerhin.

Nun, trotz dieser, naja, kreativen Interpretation und manipulativen Darstellung der Reaktion von 35 Unternehmen auf merkwürdige Bewerbungen über ein Online-Formular, erkennt sogar die Autorin, dass die „Stichprobe sehr klein und in keiner Weise repräsentativ ist“.

In der Tat. Das hält sie allerdings nicht davon ab, aus dieser kleinen und nicht repräsentativen Stichprobe die erwünschten Diskriminierungs-Schlussfolgerungen zu ziehen. Beispielsweise, dass „in 20 Prozent der untersuchten Unternehmen Türkinnen und Türken gegenüber Deutschen und – innerhalb der Nationalitätengruppen – Frauen gegenüber Männern benachteiligt werden.“. Nein, das folgt eben nicht, dafür ist die Stichprobe viel zu klein und der Einfluss bspw. des zweiten Studienschwerpunkts könnte in diesen paar Einzelfällen mindestens genauso gewichtig sein. Oder einem guten Personaler kam die Story der Vorzeigemigrantin – und zwar völlig zu Recht – eben doch konstruiert vor.

Doch all das es hindert das feministische Zitierkarussell nicht daran, „Akman et. al, 2005“ als „Beweis“ dafür anzuführen, wie grausam Frauen doch bei Bewerbungen diskriminiert würden. In all der pseudowissenschaftlichen Literatur, die so in den Gender „Studies“ produziert wird, und in der Presse, wie hier bei der FAZ, die die erfundene Türkin dafür bedauert, dass sie (bei einer unterschlagenen Einladungswahrscheinlichkeit von 10%) „leer aus ging“

Man kann es nicht oft genug wiederholen. Akman et. al finden eine Einladungswahrscheinlichkeit auf Online(!)-Kurzbewerbungen von 22% bei den erfundenen superqualifizierten deutschen Männern, 20% bei den erfundenen superqualifizierten deutschen Frauen und 10% bei den erfundenen superqualifizierten Türkinnen. Bei einer Stichprobe von 35 Unternehmen und lausiger Methodik. Liebe Femimiministinnen, nochmal zum mitmeißeln:

Das sagt über die angebliche Diskriminierung von Frauen in Bewerbungsprozessen rein gar nichts aus.

„Akman et. al 2005“ ist ein unwissenschaftliches, nichtssagendes Papierchen. Was alle anderen angeblich wisschenschaftlichen, dennoch nichtssagenden Papierchen, die sich auf „Akman et. al, 2005“ berufen, hoffentlich wieder ein Stückchen unglaubwürdiger macht.

 

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