Die Eier des Monats

für den Monat Juli könnte man eigentlich jetzt schon verleihen, und zwar an den CSU-Bundestagsabgeordneten Alexander Hoffmann, der in der Plenarsitzung vom 3. Juli 2014 nicht nur darauf hinwies, dass der dort von den Grünen eingebrachte Entwurf für eine gesetzlich vorgeschriebene Frauenquote in den Führungsetagen von über dreitausend Unternehmen nicht nur verstößt

  • gegen die Regelung des Grundgesetzes, dass niemand aufgrund seines Geschlechts bevorzugt oder benachteiligt werden darf (§3 GG),
  • gegen die Regelung des Grundgesetzes, dass niemand in der Freiheit seiner Berufswahl eingeschränkt werden darf (§12 GG), was sowohl für den wegen einer Quote nicht zum Zuge kommenden männlichen Bewerber wie für den Unternehmer der Fall ist, der in seiner Berufsausübung eingeschränkt wird
  • gegen die im Grundgesetz verankerten Eigentumsrechte (§14 GG),
  • und gegen die Vereinigungs- und Koalitionsfreiheit (§9 GG)

 

(Was eine gewisse Dr. Petra Sitte von den Linken, die ihren akademischen Titel einer Arbeit über „Die Führungstätigkeit der SED-Bezirksorganisation Halle bei der Weiterentwicklung der sozialistischen Produktionsverhältnisse in der Industrie und der Herausbildung der Kombinate (sechziger und siebziger Jahre)“ zu verdanken hat), zum Zwischenruf  „Lesen Sie doch alle vor!“ veranlasste. Wäre vermutlich mal ganz sinnvoll, damit sie die kennenlernt).

 

, sondern der auch feststellte, dass

 

„viel dafür spricht, dass eine relative Quote bzw. eine starre Quote mit Öffnungsklausel und wohl auch die Variante des Referentenentwurfes verfassungskonform ausgestaltet werden können“.

Unverklausuliert: Dass der Referentenentwurf nicht verfassungskonform ist. Und dass es vermutlich richtig schwer wird, dieses Gesetz irgendwie verfassungskonform aussehen zu lassen.

Und das, nachdem die Abgeordneten Ulle Schauws (Grüne, Film – und Fernsehwissenschaftlerin), Gudrun Zollner (CDU, Industriekauffrau), Cornelia Möhring (Linke, Sozialpsychologin), Birgit Kömpel (SPD, Hausfrau und Frauenquotenkarrieristin), Ursula Groden-Kranich (CDU, Bankkauffrau) und Christina Jantz (SPD, Verwaltungsfachwirtin), sämtlich weiblichen Geschlechts, sich nicht entblödeten, alle alten abgedroschen Formeln in ihren Reden zu bemühen, die ad nauseam wiederholt auch nicht richtiger werden: von gläsernen Decken, von den vielen hochqualifizierten Frauen (weil Uniabschluss¹), von den Unternehmern, die selbst schuld seien an einer gesetzlichen Quote, weil sie freiwillig nichts änderten,  dass es ein Mythos sei, dass Gleichberechtigung herrsche, dass eine Frauenquote den Wünschen der Menschen im Lande entspräche und die darüber tönten, dass „Frauenförderung angepackt werden müsse“ und dass es selbstverständlich gut für die Männer sei, wenn man sie in konkreten Situation wegen ihres Geschlechts per Gesetz benachteilige.

Wo sind eigentlich die Männer im Bundestag, die dem Dummschwatz dieser Damenriege endlich Einhalt gebieten und sie auffordern, sich ihren unglaublichen Sexismus sonst wo hin zu stecken?

Wo sind eigentlich die Männer und Frauen in der Wirtschaft, die Eigentümer und Unternehmer, die es sich endlich lautstark verbitten, dass diese in Bezug auf Unternehmensführung vollkommen unqualifizierten² alten weißen Frauen ihnen vorschreiben wollen, nach welchen Kriterien sie ihr Führungspersonal auszuwählen haben?

Und wo sind vor allem die Mitarbeiter der Unternehmen, an deren Existenz diese Frauen wieder ein bisschen mehr die Axt anlegen? Diese Frauen, die von Wirtschaft so viel Ahnung haben wie die Kuh vom Tanzen? Denn eins sollte klar sein: Der Referentenentwurf ist nur der Anfang. Sieht man sich die Redebeiträge an, dann ist klar, dass sich diese Frauen quer über die Parteien schon längst darauf geeinigt haben, dass als nächstes eine Regelung auf die Tagesordnung gesetzt wird, die ca. 3500 Unternehmen in Deutschland betreffen wird. Dann geht es nicht mehr um ein paar Konzerne, die halt zur Not noch ein paar Millionen im Jahr für Aufsichtsräte für Compliance, Aufsichtsräte für Corporate Governance, Aufsichtsräte für Diversity, Aufsichtsräte für Public Responsibility und andere unschädliche Frühstücksdirektorinnenposten rauswerfen können, die sie neu einrichten und mit Quotenfrauen besetzen werden, um auf die Quote zu kommen. Sondern dann geht es an das Rückgrat der Wirtschaft, an die vielen Unternehmen zwischen Mittelstand und kleinem Konzern. Und die können sich so einen Scheiß schlicht nicht leisten. Erstens nicht finanziell, und zweitens weil es weit und breit nicht genug qualifizierte³ Frauen für diese Jobs gibt. Und an unqualifiziertem Führungspersonal geht ein Wirtschaftsunternehmen, anders als ein Staat mit solchen Parlamentarierinnen, halt pleite.

Alexander Hoffmann hat sich wenigstens im Ansatz aus der Reserve getraut und dieser geballten Ladung parareligiöser Propaganda, die diese weitgehend nur per  parteiinterner Frauenquote im Parlament sitzenden Politikerinnen da abgelassen haben, wenigstens ein bisschen rechtsstaatliches Paroli zu bieten versucht. Daher ist die Verleihung der Eier des Monats eigentlich schon zwingend.

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¹) Kulturwissenschaften, Romanistik, Soziologie, Politologie. Irgendwas mit Medien. Wurscht, das ist grundsätzlich hochqualifiziert und damit qualifiziert für Unternehmenslenkung.

²) Sieht man mal von den paar pro-forma Aufsichtsratsmandaten ab, die sie in outgesourcten städtischen Unternehmen haben, weil da halt die Stadträte entsendet werden müssen.

³) Unter Qualifikation für einen Führungsjob in einem größeren Industrieunternehmen verstehe ich entsprechende Ausbildung, entsprechende Erfahrung, entsprechenden Charakter und entsprechende Leistungsbereitschaft, die die Work-Life-Balance ganz kräftig in Richtung „Work“ verschiebt.

 

 

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5 Kommentare

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5 Antworten zu “Die Eier des Monats

  1. Günter Buchholz

    Endlich ein erstes Zeichen dafür, dass dieser Skandal der Beugung oder des Bruchs der Verfassung zum öffentlichen Thema wird:
    http://frankfurter-erklaerung.de/2014/07/die-eier-des-monats/

  2. Matze

    „All das von mir Gesagte ist keine freie Erfindung, sondern geht zurück auf die Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofes.
    (Gabriele Hiller-Ohm [SPD]: Von Männern!)“

    Männer sprechen Recht also immer zum Vorteil von Männern aus, so konnte man es Vergangenheit immer beobachten… wenn man einen gewaltigen Sprung in der Schüssel hat.

    Was sitzen da bloß für Leute? Alles was von Männern kommt ist also schlecht? Das scheint ja schon ein gewisser Automatismus zu sein.

    Staatsfeminismus gibt es nicht!????

    Danke für den Artikel!

  3. Pingback: Matthias’ Woche – Links zur KW 29 | NICHT-Feminist

  4. Danke für diese Informationen. WikiMANNia hat deswegen einen Artikel zu Alexander Hoffmann verfasst und die wichtigsten Daten aus diesem Beitrag eingebettet.
    http://de.wikimannia.org/Alexander_Hoffmann

  5. Pingback: Frauenquote: Die Eier des Monats | NICHT-Feminist

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