Der diesjährige

Gender-Gap-Bullshit des World Economic Forums ist erschienen. Und wie schon in den Jahren vorher sind die Sub-Indizes der wichtigste Index dafür, wie groß der Haufen ist, den das WEF hier jedes Jahr ausscheißt. Denn vereinfacht gesagt ergibt die Summe der Subindizes den Platz, auf dem ein Land in Sachen Frauengleichberechtigung stünde. Ergo ist ein guter Platz eines Landes auf jedem der Subindizes ein guter Indikator dafür, dass für die Frauen in diesem Punkt Gleichberechtigung herrscht. Jedenfalls nach Meinung der Koryphäen des WEF.

Da findet sich also im Index „Economic Participation und Opportunity“

  • die Mongolei auf Platz 2
  • Burundi auf Platz 3
  • Malawi auf Platz 4
  • Mosambik auf Platz 11
  • Lesotho auf Platz 18
  • Ghana auf Platz 24
  • Kamerun auf Platz 40
  • Deutschland auf Platz 46

Und im Sub-Sub-Index „D1 – Labor Force Participation“

  • Malawi auf Platz 1
  • Mosambik auf Platz 2
  • Burundi auf Platz 3
  • Tansania auf Platz 4
  • Laos auf Platz 5
  • Uganda auf Platz 6
  • Deutschland auf Platz 44

In Malawi kommen also beispielsweise auf 85 weibliche Arbeitende 80 männliche. Das zeigt mal wieder deutlich, wie stark der Anteil der Frauen in der Arbeitswelt das wirtschaftliche Wohlbefinden eines Landes steuert, weil ja das Potential voll… wie? Human Development was? Index? Wo ist da Malawi? Auf Platz 170? Von 187? Eins der ärmsten Länder der Welt? Echt? Kinderarmut? Aber die Zahlen… Aber Mosambik auf Platz zwei, das ist.. äh… auf Platz 185? Drittärmstes Land der Welt? Burundi, Platz 3, auf.. Moment, hey auf 178, knapp vor Mosambik!

Vielleicht sind die Malawierinnen ja gar nicht so gleichberechtigt, sondern kämpfen nur ums nackte Überleben in einem Land, in dem es nirgends zum Nötigsten reicht.

Um mich selbst jetzt auch wörtlich zu zitieren: Diese Zahlen sind pseudowissenschaftlicher, pseudoobjektiver Gender-Voodoo, sonst nix. Diese Studie kann man schlicht und einfach in die gleiche Tonne kloppen, in der schon die Studien der Vorjahre landen mussten.

Wem’s noch nicht reicht, der kann sich noch ein paar andere Subindizes ansehen, und sich nur wundern, wie man aus diesen Zahlen irgendeine wissenschaftlich Aussage treffen kann. Bitteschön:

  • Im Index „D6 – Literacy Rate“ liegt Lesotho vorne, hier können deutlich mehr Frauen als Männer lesen und schreiben. 30% Arbeitslosigkeit, 37 Jahre durchschnittliche Lebenserwartung.
  • Im Index „D7 – Enrolment in Primary Education“ liegt Barbados auf Platz Eins: Von 100 Jungen gehen 90 zur Grundschule, von 100 Mädchen 97. Das feministische Musterland Saudi-Arabien kommt immerhin auf Platz 7 (90% Mädchen und 87% Jungen genießen eine Grundschulausbildung). Weit abgeschlagen auf Platz 57 landet Deutschland in diesem Gleichberechtigungsindikator – hier geht nur einfach jedes Kind zur Schule.
  • Gendergesundheitsgerecht („D11 Healthy Life Expectancy“) am weitesten ist Russland. Frauen bleiben dort durchschnittlich 65 Jahre ziemlich gesund, Männer nur 55. Selbstverständlich geht es dort wesentlich gerechter zu als in Deutschland, das es wieder nur auf Platz 57 schafft. Hierzulande sind Frauen nämlich nur 4 Jahre lang gesünder als Männer: ganze 75 Jahre, gegenüber 71 bei den Männern. Deutlich ungerechter altert man allerdings noch in Island (Platz 102), hier schaffen die Männer nämlich 73 gesunde Jahre, ohne dass sich bei den Frauen was ändern würde. Die bleiben da auch nur 75 Jahre halbwegs gesund.
  • Das fairste Parlament haben wir in jenem Hort der Demokratie namens Cuba: 49% Frauen und 51% Männer sind ein deutlicher Indikator, dass Machismo keinen Platz hat in diesem Land. Der Senegal, ein Land in dem Männer nach Möglichkeit mehrere Frauen heiraten (bis zu vier dürfen sie), wo Frauen traditionell erst dann essen, wenn die Männer gegessen haben, kommt auf Platz 3. Deutschland schafft es knapp hinter Tansania, Uganda und Angola immerhin auf Platz 24.
  • Besonders gleichberechtigt sind Frauen auch in Indien. Immerhin hatte Indien 21 Jahre lang „Frauen als Staatsoberhäupter“ (D14). Bei England sind’s leider nur 12 Jahre geworden, dank Maggie Thatcher, vermute ich mal. Dass man als Wissenschaftler, der nur halbwegs ernstgenommen werden will, den Unterschied zwischen Staatsoberhäuptern und Regierungsschefs kennen sollten, entspringt wohl nur meinem männlichen Privilegiendenken. Auch Deutschland hat übrigens angeblich seit 8 Jahren ein weibliches Staatsoberhaupt – dafür weint Beatrix in Holland jetzt wohl bittere Tränen um sich und um ihre Mami – zusammen haben sie Holland immerhin 65 Jahre vorgestanden, ohne dass es den wissenschaftlichen Helden des WEF aufgefallen wäre.
  • Auch im „Estimated Earned Income“ (D3) gehts ziemlich gendergerecht wissenschaftlich zu. Mozambik, Burundi und Malawi liegen mit den durchschnittlich 918, 495 und 794 Dollar, die eine Frau hier im Jahr bekommt, klar vorne vor Deutschland mit diesen popeligen 30378 Dollars pro Frau und Jahr.

Die Chuzpe, mit der die Autoren behaupten, dass die Addition lauter falscher Ergebnisse zu einem richtigen Ergebnis führe, ist schon irre…

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4 Kommentare

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4 Antworten zu “Der diesjährige

  1. anstaltszauber

    Eine geniale Zusammenfassung! Daumen hoch!

  2. Danke für die schöne Zusammenfassung. Ich hab mir den Quatsch auch angeschaut, mich dann aber nach kurzer Zeit mit Grausen abgewendet.

  3. Gert Brödecker

    Endlich mal Klartext. Daumen hoch!
    Was macht eigentlich „Wikiweise“? Eingestellt oder können wir noch mit einer Wiederbelebung rechnen?

  4. Pingback: Vernetzung innerhalb feminismuskritischer und männerrechtlicher Blogs | Alles Evolution

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