Manchmal ist es schön,

wenn man einfach Konsequenzen ziehen kann.

Folgender Brief ging vor ein paar Tagen in die Post:

Wikimedia Deutschland
Gesellschaft zur Förderung Freien Wissens e. V.
Postfach 61 03 49
10925 Berlin

Bochum, 27.9.2013

Austrittserklärung

Sehr geehrte Damen und Herren,

Im Jahre 2004 habe ich als eines von etwa dreißig Gründungsmitgliedern in Berlin die Wikimedia Deutschland aus der Taufe gehoben. Einen Verein, an dessen Satzung ich maßgeblichen Anteil hatte, und dessen satzungsgemäße Aufgabe auch heute noch die „Erstellung, Sammlung und Verbreitung Freier Inhalte“ ist. Trotz teilweise gegenteiliger Auffassungen über Richtung und Erfolg des Projektes Wikipedia bin ich seit der Gründung Mitglied geblieben, weil die Freien Inhalte und ihre Erstellung über Wikis mir stets ein Anliegen geblieben sind.

Mit einigem Entsetzen muss ich jetzt allerdings feststellen, dass dieser Verein, unter anderem aus meinen Mitgliedsbeiträgen, mit 80000 Euro ein Projekt finanziert, das „Diversität für Wikipedia“ erreichen soll – was auch immer hier noch erreicht werden soll in einem von einer internationalen Gemeinschaft motivierter Freiwilliger getriebenen Projekt.

Ziel von uns Gründungsmitgliedern der Wikimedia Deutschland war die Förderung freien Wissens, mit besonderem Focus auf die Enzyklopädie Wikipedia. Unser Ziel war es keinesfalls, Pseudowissenschaften wie die sogenannten Gender-Studies mit fünfstelligen Beträgen zu finanzieren, um Vorschläge zu erarbeiten wie innerhalb der Wikipedia-Community Probleme gelöst werden sollten, die keine sind.

Im Gegenteil: Wikipedia und Wikimedia waren der Aufklärung verschrieben. Das scheint Geschichte zu sein. Vortragstitel wie “Towards the Democracy of Knowledge: Bringing Gender Diversity to Wikipedia”, mit denen etwa eine Frau Buchem vorgibt, Forschung zu betreiben, zeugen von gegenteiliger Geisteshaltung. Hier geht es nicht mehr um freie Inhalte, Aufklärung, Wissenschaft oder auch nur Lehre, hier geht es ausschließlich ums leistungslose Abgreifen von Förder- und wie in diesem Fall Drittmitteln mittels inhaltsleerer Phrasen, nachdem genau zu diesem Zweck durch die nun Geförderten erfolgreich ein Popanz aus imaginierten Problemen aufgebaut wurde, die dringenst „analysiert“ werden müssten.

Einen Verein, der solch pseudowissenschaftliche, parareligiöse „Forschungs“-Felder aus Mitglieds- und Spendenbeiträgen finanziert, will ich nicht weiter unterstützen.

Ich erkläre daher mit sofortiger Wirkung meinen Austritt aus der Wikimedia Deutschland Gesellschaft zur Förderung Freien Wissens e.V.

Mit kaum noch bedauernden Grüßen

Ulrich Fuchs

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14 Kommentare

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14 Antworten zu “Manchmal ist es schön,

  1. Dr. Günter Buchholz

    Dieser Offene Brief findet jetzt auch unter:
    http://frankfurter-erklaerung.de/2013/10/wikimedia-deutschland/

  2. Heinz

    „Unser Ziel war es keinesfalls, Pseudowissenschaften wie die sogenannten Gender-Studies mit fünfstelligen Beträgen zu finanzieren“

    Nach kaufmännischem runden (ab 5 >) ist man sogar schon im sechsstelligen Bereich.

  3. Pingback: Bye bye Wikimedia | Flugphase

  4. Reincke

    Ich habe meine Artikelproduktion schon vor einigen Jahren eingestellt, nachdem ich bemerkte, daß Kräfte an ideologiebasierten Inhalten festhielten, denen ich nicht meine Zeit opfern wollte.

  5. Axel

    Hallo,
    das mit den 80.000 interessiert mich. Gibt es da einen LInk?

  6. Seegal Galguntijak

    Jetzt müsste man nur noch ein paar Hebel in Bewegung setzen, um dem deutschen Verein die Gemeinnützigkeit abzuerkennen…denn das ist nicht gemeinnützig, solche „Forschungen“ nutzen schließlich nur einer ganz kleinen, genau definierten Zielgruppe der „Genderisten/-innen“

    • Hebel kannst Du in Bewegung setzen so viel Du willst, nur bewegen wirst Du damit nichts. Denn selbstverständlich kann, darf und soll manch gemeinnütziger Verein nur eine bestimmte Zielgruppe fördern (bspw. die Obdachlosen in der Stadt). Und selbstverständlich fördert die Wikipedia zumindest offiziell mit dem Diversity-Projekt auftragsgemäß freies Wissen, und nicht Frau Buchem. Die ist sozusagen nur Mittel zum Zweck des Förderauftrags. Ein vollkommen nutzloses Mittel zwar, aber aus Dummheit Geld zum Fenster rauswerfen ist leider nicht justiziabel.

      • Ich

        Nicht nur das, der Glaube, dass Frauen in der Deutschen und anderen westlichen Gesellschaft unterdrückt und prizipiell benachteiligt werden, gehört gerade in der öffentlichen Verwaltung und in der Politik zum Mainstream. Jedwede offizielle Sanktion gegen gemeinnützige Vereine wie die deutsche Wikipedia oder beispielsweise den SoVD, der unter anderem an seinem Sitz in Berlin regelmäßig mit riesigen Plakaten feministische Lügen verbreitet, sind daher so gut wie ausgeschlossen.

        http://de.wikipedia.org/wiki/SoVD

  7. Pingback: Wikimedia in der Gender-Falle? Warum Diversität nicht nur Frauenförderung bedeutet | Wiki-Watch-Blog

  8. Fabian

    Das Thema „Ideologische Unterwanderung“ wird über das Prinzip Schwarmintelligenz bei Wikipedia nicht lösbar sein. Wenn eine ideologisch motivierte Autorengruppe nur hartnäckig genug am Ball bleibt und Artikel in ihrem Sinne manipuliert, ist dagegen kein Kraut gewachsen.
    http://maninthmiddle.blogspot.de/p/warnung-vor-der-deutschen-wikipedia.html

    • Ich

      Die „Ideologische Unterwanderung“ der Wikipedia ist außerdem durch die Einführung der Administratoren noch einfacher geworden. Schon einzelne Nutzer können zusammen mit zwei oder drei geneigten Admins kritische User aus der Wikipedia verdrängen, und das ist in der Deutschen Wikipedia leider bereits Realität.

      Die Admins werden zwar gewählt, aber ktitische Stimmen in der Wikipedia selbst gehen in den Tiefen der „Versionsgeschichte“ unter. Sie sind zwar vorhanden, aber nur mit verhältnismäßig hohem Aufwand auffindbar. Admins sind daher in der Lage, Anschuldigungen die gegen sie erhoben werden, einfach herunter zu spielen, und die Wahlausgänge sind etwa so vorhersehbar, wie die bei einer Hauptversammlung einer durchschnittlichen Aktiengesellschaft.

  9. Pingback: Wikipedia.de - Quo Vadis?

  10. Ich

    PS: Am Samstag den 31. Mai 2014 findet der „Frauen in der Wissenschaft“ Wikipedia-Edith-Anton, sorry, Wikipedia-Edit-a-thon beim Wikimedia Deutschland e.V. am Tempelhofer Ufer 23/24 in 10963 Berlin (U-Bahn Möckernbrücke) statt. Vielleicht finden sich ja noch ein paar unabhängige Beobachter für dieses Ereignis.

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