Monatsarchiv: Juli 2013

Klatsch und Tratsch

Heise berichtet von einer Studie, in der mal danach gefragt wurde, wie häufig Angestellte denn über Dinge plaudern, über die sie – weil es um Persönliches oder um Firmengeheimnisse geht – besser die Klappe halten würden.

Am häufigsten scheinen dabei die Angestellten in den Abteilungen Personal und Marketing zu den Plappermäulern zu gehören. Auch wenn solche Studien mit einem kieselsteingroßen Salzkorn genossen gehören und man nie von Koinzidenz auf Kausalität schließen sollte, kann man sich an dieser Stelle jetzt doch mal kurz daran erinnern, in welchen Abteilungen in der Industrie denn wohl der Frauenanteil am höchsten ist.

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Gesellschaft für Informatik auf Abwegen

„Der Objektivitätsanspruch in Naturwissenschaft und Technik verweist Fragen nach einer geschlechtsspezifischen Natur dieser Fächer in den Bereich des Absurden“, schrieb eine gewisse Britta Schinzel vor über 20 Jahren (Coy et al.: Sichtweisen der Informatik, Vieweg 1992, S. 249). Diese Meinung scheint sie inzwischen auf dem Altar des Genderismus geopfert zu haben.

Dieser Tage flatterte mir das Informatik-Spektrum in den Briefkasten, die Hauszeitschrift der Gesellschaft für Informatik. Die Hauptaufgabe jener Zeitschrift, so die Selbstdarstellung, ist „die Weiterbildung aller Informatiker durch Veröffentlichung aktueller, praktisch verwertbarer Informationen über technische und wissenschaftliche Fortschritte aus allen Bereichen der Informatik und ihrer Anwendungen“. Dieser Aufgabe wird sie meist auch mehr oder weniger gut gerechnet.

In der Ausgabe Nummer 3 dieses Jahres hat jedoch die eingangs zitierte Britta Schinzel das Ruder übernommen. Etwa um die Zeit, als sie ihren Beitrag für obiges Buch lieferte, hat diese Dame aufgehört, Informatik zu machen, und wurde frauenbewegt. Weshalb sie dann auch in Freiburg auf einen mysteriösen Informatiksoziologiegenderbla-Lehrstuhl berufen wurde, auf dem sie fast zwanzig Jahre schwurbeln konnte. Mittlerweile ist sie emeriert und hält wirre Vorträge über „Gender Informatics“. Allerdings scheint die Emeritierung sie nicht daran gehindert zu haben, von der DFG noch ein dreijähriges Programm gesponsort zu bekommen, das „Weltbilder in der Informatik“ untersuchen sollte.

Dieses Programm bestand im wesentlich darin, das zu tun, was Feministinnen gerne tun, wenn sie ihrer sexistischen Weltsicht ein wissenschaftliches Mäntelchen umhängen wollen: Sie führen einige sogenannte „qualitative“ Interviews mit diversen Leuten, und anschließend interpretieren sie in deren Aussagen all das hineinin, was sie sich als Forschungsergebnis schon vorher zusammenphantasiert haben. Im besten Falle werden die Interviewten in arbiträre Kategorien zusammengefasst („Die Gleichgültigen“, „Die spielerischen Entdecker“). Im Normalfall werden aber lediglich aus dem Zusammenhang gerissene Aussagen aus solchen Interviews als „Belege“ für ansonsten ziemlich substanzlose eigene Behauptungen herangezogen.

Die Gesellschaft für Informatik hat nun also den Ergebnissen dieses „Forschungs“-Projektes, die aus nicht mehr als pseudowissenschaftlichen, ideologisch gefärbten Küchensoziologie-Verlautbarungen der Genderforschungs-Industrie bestehen, aus unerfindlichen Gründen ein ganzes Heft gewidmet.

Die Artikel

Es beginnt mit einem verschwurbelten Editorial Britta Schinzels. Ich halte mich für einen intellektuell und sprachlich schwer zu überfordernden Menschen, daher mal ehrlich: „Der konstruktive Charakter von Technik wird im abstrakten Code viel weniger durch das Material gefesselt als in älterer Technik“ (S. 225) ist kein Satz, den nur ich nicht verstehe, oder? Wie fesselt man einen konstruktiven Charakter? Und zwar im Code? Und durch Material? Aber nicht mehr so wie in älterer Technik? Über den Berg ist es nachts weiter als nach Paris… Was immer sie meint, hinschreiben tut sie’s nicht. Es ist auch egal, in der Hauptsache gehts drum, dass Informatik jetzt viel mehr Soziologie werden müsse, damit es mehr Mädchen studieren möchten, weil das für die „technologische Leistungsfähigkeit“ Deutschlands wichtig sei.

Geldbörsenschuhe, im Informatik-Unterricht entwickelt. Quelle http://ina.wineme.fb5.uni-siegen.de/wp-uploads/2012/07/120622_Vortrag_INATagung.pdf

Geldbörsenschuhe, im Informatik-Unterricht entwickelt. Quelle: Projektpräsentation INA

Finanziert mit vom Bundesministerium für Forschung nachgeschmissenem Geld entwickeln sodann die Journalistin Anne Weibert, der Computerclub-Aktivist Thomas von Rekowski und Prof. Volker Wulf vom sog. Lehrstuhl für „Wirtschaftsinformatik und Neue Medien“ in Siegen in „Informatik erschließen: Ein curricularer Ansatz für Mädchen“ angeblich einen Informatik-Unterricht für eben diese, und zwar aus einer Befragung von 12 (in Worten: zwölf) Schülerinnen heraus. Zwölf. ZWÖLF!

Ein halbes Jahr Informatikunterricht solle doch bitte wie folgt ablaufen: Sensibilisierung und Information (7 Wochen), Konzeptionelle Produktentwicklung und Vermarktung (3 Wochen), Umsetzung der Produktideen in Teams (7 Wochen), Evaluation (2 Wochen). An zwei Schulen, deren Schulleiter man mit sofortiger Wirkung ihres Amtes entheben sollte, haben sie’s ausprobieren dürfen. Die so beschulten Mädels haben dann im Informatik(!)-Unterricht tatsächlich „High-Heel-Schuhe mit eingebautem Fach für Geldbörse, Kreditkarte, Schlüssel“ (S. 239) entwickelt. Erstaunlich ist nicht, dass so etwas dabei rauskommt. Glitzerhandys halt. Erstaunlich ist, dass man sich traut, so etwas zu publizieren, und zwar in einer Fachzeitschrift mit dem Titel „Informatik-Spektrum“. Gibt’s da eigentlich auch eine Redaktion?

Barbara Paech und Arndt Poetsch-Heffter, Professoren für Softwaretechnik in Heidelberg respektive Kaiserslautern, versuchen unter dem irreführenden Titel „Informatik und Gesellschaft: Ansätze zur Verbesserung einer schwierigen Beziehung“, irgendwie ihre Forschungsfelder Requirements Engineering und Mensch-Computer-Interaktion mit dem vermutlich von Schinzel vorgegebenen Thema „Informatik und Gesellschaft“ unter einen Hut zu kriegen. Für Nicht-Informatiker: Das wäre in etwa so, als versuche man einen Artikel zu schreiben zu den Themen „Apfelbaumzucht“, „Birnenkuchen“ und „Agrarwirtschaft in Südamerika“, und daraus zu einer vierten, sinnvollen Aussage zu kommen. Unsere Autoren schaffen diesen akademischen Rittberger mit doppeltem Non-Sequitur natürlich blendend: „Wir schlagen deshalb vor, Sozioinformatik-Grundlagen als festen Bestandteil in das Informatikstudium zu integrieren“, denn „es ist zu vermuten, dass sich Frauen mehr für ein Informatik-Studium mit explizitem Anteil sozioinformatorischer Inhalte interessieren würden“ (S. 250)

Es folgt eine Kurzvorstellung des DFG-Projekts „Weltbilder der Informatik“ durch die geförderten Damen Karin Kleinn, Monika Götsch, Yvonne Heine und Britta Schinzel. Der letzte Satz des Artikels ist der bezeichnendste: „Sehr großer Dank gebührt auch den vielen Referees – alle aus der Informatik, die uns wertvolle Hinweise gegeben und Korrekturen vorgeschlagen haben, sodass die Texte nach mehreren Review-Phasen nun auch für die Informatik-Community konsistent und verständlich erscheinen“ (S.255). Du lieber Himmel. Wenn die Texte noch immer so aussehen, nachdem Informatiker taten was sie konnten, um den Damen das Geschwurbel auszutreiben, wie viel inkonsistenter und unverständlicher mögen die Texte davor gewesen sein?

Ohne weitere Begründung behaupten die Damen, dass zu wenig „Diversität“ in der Informatik bestehe, worauf sie nun einen Beitrag „zur Professionalisierung der Informatik […] und zu mehr Geschlechtergerechtigkeit“ (S.251) leisten würden.

Danke, Frau Götsch. Auf den Input einer Diplom-Sozialarbeiterin (FH) zur Professionalisierung unserer Zunft haben wir, die wir mit Informatik statt mit dummen Geschwätz unser Geld verdienen, wirklich gewartet.

Es ist keine Wissenschaft, sondern schlicht Ausdruck der politischen Agenda der Damen Kleinn, Götsch, Heine und Schinzel, wenn sie formulieren, die Informatik-Studenten gingen „naiv“ von einem „konservativen differenzorientiertem Geschlechterbild“ (S.254) aus. Möglicherweise haben die Informatik-Studenten gute Gründe für ihre Weltsicht. In diesem Falle besteht das angeblich naive Weltbild vorwiegend darin, dass laut den interviewenden Soziologen die die meisten Informatik-Studenten glaubten, dass Frauen sich in sprach- und sozial orientierten Disziplinien wohler fühlen als in technischen. Das hat mit einem Weltbild von Informatikern nichts zu tun, sondern mit einem Weltbild der meisten Menschen, auch dem der Autorinnen. Da fordern sie durch das ganze Heft hindurch, dass Informatik mehr zum Laber- und Networkingfach werden solle, damit Frauen sich mehr dafür interessieren. Aber die Studenten sind „naiv“, weil sie genau diese Präferenz von Frauen ebenfalls sehen?

Monika Götsch schildert sodann „Die Erhebungs- und Analysemethoden“ dieses DGF-Projektes zum Verwandeln von Steuergeldern in heiße Luft. Klimaerwärmung durch Frauenforschung, ich schrieb es ja schon in einem der letzten Beiträge. Darin verteidigt sie im Wesentlichen die Methoden der qualititativen Sozialforschung als wissenschaftlich, insbesondere die schon genannten unstrukturierten Interviews mit anschließender freier Ausinterpretation des Gesagten durch die forschenden Soziologinnen.

Im Anschluss kommt Britta Schinzel in „Weltbilder und Bilder der Informatik“ zu dem, was man nun eigentlich als Ergebnis des Forschungsprojektes erwarten würde. Allein, der Artikel besteht – mal wieder – nur aus heißer Luft. Auf eine zweiseitige Einleitung („Die Auswahl der Weltbildkategorien“) folgen fünf Seiten darüber, dass Informatik-Studenten im Wesentlichen ein positives Technikverständnis und eine positivistische Weltsicht haben. Wunder was. Interessant wird der Text da, wo das Weltbild der Studenten von dem abweicht, was Schinzel sich wünscht. So nähmen Studienanfänger „mehr Probleme als die Studierenden der höheren Semester wahr“ (S. 264). Letztere scheinen wohl nicht mehr so recht daran zu glauben, dass „Internetmobbing, Fluchtgefahr, Suchtgefahr, Verlust der Kommunikationsfähigkeit, nicht mehr unterscheiden können zwischen realer und virtueller Wirklichkeit“ (S. 264) so sehr als Problem wahrzunehmen sind, wie Schüler von Lehrern und Umfeld ständig eingebleut bekommen. Obwohl im Text ein unterschiedliches Weltbild männlicher und weiblicher Informatiker nicht angesprochen, geschweige denn nachvollziehbar ausgearbeitet wird, ist sich Schinzel nicht zu schade, im Fazit zu behaupten, dass „vor allem Frauen sich offenbar eher mit der Informatik als dienender Wissenschaft identifizieren, anknüpfend an ein überkommenes weibliches Rollenbild“ (S.266).

Danach beschäftigt sich Monika Götsch in „Das fängt natürlich an mit irgendwelchen Spielekonsolen – oder: Was dazu motiviert, Informatik nicht zu studieren“ mit „vergeschlechtlichen Wegen ins Informatik-Studium“. Ihr stellt sich hier die schwierige Aufgabe nachzuweisen, dass einerseits Frauen genauso prädisponiert, technisch interessiert und motiviert und überhaupt in allen Punkten gleich für die gleichen Wissenschaften zu begeistern sind wie Männer. Gleichzeitig hätten Frauen aber ganz spezifische andere Erfahrungen und Herangehensweisen an alles und jedes, weswegen man ganz besonders auf sie einzugehen und eine Wissenschaftsdisziplin inhaltlich so zu verändern (aka verwässern) habe, dass sich Frauen darin besser zurecht finden.

Es ist das ewige Paradoxon, um das Genderisten wie Götsch herumeiern müssen: Frauen sind nicht anders begabt und motiviert als Männer, darum ist es unmöglich, dass sie bestimmte Aufgaben schlechter ausführen können als Männer oder weniger gern ausführen wollen. Frauen sind sind aber ganz anders begabt und motiviert, deshalb benachteiligen „Strukturen“ Frauen, weil die „Strukturen“ auf männliche Begabungen und Motivlagen zugeschnitten sein.

Besonders deutlich wird dieser Zwiespalt in dem sich die Autorin bewegt, wo sie den oben erwähnten Trick der Kaffeesatzleserei aus unstrukturierten Interviewaussagen anwendet und versucht, die Informatik-Studenten in fünf Klassen einzuteilen. In die größte Gruppe setzt sie „Die meisten (fast ausschließlich) männlichen Studierenden“, deren Leben sich vor der Uni „vor allem um Informatik [gedreht hätte], sie beschäftig(t)en sich damit in der Schule, in der Freizeit, mit FreundInnen, in der Berufsausbildung, im Studium. Die Informatik passt zu ihnen“ (S. 272). Die fünfte Gruppe bildet dann „der überwiegende Teil weiblicher Studierender“, die sich „ebenso ausgiebig mit Computern beschäftigt haben wie ihre männlichen Kommilitonen“ (S. 273), dennoch hätten sie „erst im Studium ihre informatorischen Fähigkeiten und Interessen entdeckt […] Der Kontakt mit Programmierung bzw. Informatik im Erststudium wird als Zufall beschrieben“ (S. 273).

Ja was denn nun? Hat sich nun ihr Leben vor dem Studium, wie bei den Männern, „vor allem um Informatik“ gedreht, oder haben sie ihre „informatorischen Interessen“ erst im Studium entdeckt? Götsch vermutet, die Frauen seien „weder in der Schule noch im privaten Umfeld zu einem Informatik-Studium motiviert wurden.“ Ich behaupte, die Frauen waren in ihrer Schulzeit bei weitem nicht so sehr an Computern und an Software interessiert wie die Mehrzahl ihrer heutigen männlichen Kommilitonen, was sich dann auch in den Studienempfehlungen des Umfelds niederschlug. Ich behaupte auch, dass sie ein „genauso ausgeprägtes technisches Interesse“ wie die Männer gehabt hätten, ist nichts als die frei erfundene Behauptung einer Autorin, die methodologisch bewusst darauf verzichtet, Zahlenmaterial zu erheben, damit ihre vorgefasste Meinung durch keinerlei Fakten getrübt werden kann und die Grundlage dieser Behauptung unnachprüfbar bleibt. Dumm nur, dass sich die Autorin selbst widerlegt. Wäre das Interesse „genauso ausgeprägt“ gewesen, dann hätte sich auch das Leben der Mädels vor ihrem Studium „vor allem um Informatik“ gedreht, was aber lt. Autorin nicht der Fall war.

Maggie Jaglo, Soziologiestudentin aus Freiburg, darf über „Hardwarefreaks und Kellerkinder“ schreiben. Die Frau hat eine Bachelor-Arbeit über „Geschlechtervorstellungen von Informatikstudierenden“ verzapft, und machte grade ihren Master. Wer mal wissen will, wofür Microsoft die Lizenzgebühren seiner Nutzer so rausballert: Die pauschalen Sexismusvorwürfe an Informatikstudenten war der Marketing-Abteilung von Microsoft 5000 Euro wert. Wenn das die Ideen für Europa sind, na bravo. Jaglo kommt in ihrem Artikelchen zu der unglaublichen neuen Erkenntnis, dass man sich den prototypischen Informatiker als freakiges Kellerkind vorstelle, dass Informatikstudenten aber doch ganz anders sind, obwohl sie schon ein paar freakige Eigenschaften haben. Ob bei Frauen in der Informatik andere Klischees eine Rolle spielen, ist im Artikel zwar nicht behandelt, aber weil Gender irgendwie mit rein muss, kann sich Maggie, die Schilderung dieses „prototypischen Informatikers“ als „Hetero-Stereotyp“ nicht verkneifen. Schließlich hat die Dame  schwul-lesbische Partyreihen organisiert, da muss man den Heteros schon bei jeder Gelegenheit einen mitgeben. Wobei mir nicht klar ist, warum ein picklig weißgesichtiger, nächtlich pizzaverschlingender Hacker nicht schwul sein können soll.

Ist man an dieser Stelle angekommen, denkt man eigentlich, dass es schlimmer nicht mehr kommen könne. Man wird prompt eines Besseren belehrt.

Den fachlichen Tiefpunkt des Heftes liefert nämlich erst der nächste Artikel. Monika Götsch, Yvonne Heine und Carin Kleinn schreiben in „dass auf einmal ’n blue screen ’n pink screen wäre“ über „Diversity-Konzepte von Studierenden der Informatik“. Nun schwingt durch das ganze Heft ja der Unterton, Informatiker säßen in einem Elfenbeinturm. Nur mit Hilfe der Genderforschung könne dieses Gefängnis in die Welt geöffnet werden. In diesem Artikel zeigt sich jedoch in erster Linie der Elfenbeinturm der Soziologinnen. In geradezu phallischer Schönheit.

Sie haben zum ersten schlicht nicht verstanden, was Informatik und ein Informatik-Studium ausmacht: Nämlich ein Aufzäumen des Pferdes von beiden Seiten gleichzeitig, von der formal-mathematischen Methode ebenso her wie von der praktischen Anwendung. Stattdessen entwickeln sie die fixe Idee, dass Informatik-Studenten, die von „reiner“ Informatik sprechen und eben diese formal-mathematischen Grundlagen mit entsprechender Fachterminologie meinen, hier ein fast religiöses, hermetisches Konzept von Reinheit entwickelt hätten (S 281). Als solches muss die theoretische Informatik natürlich Soziologinnen erscheinen, die nicht den Hauch einer inhaltlichen Ahnung vom Thema haben, deren Genderistinnen-Mantra aber jedwede Klarheit ablehnt und deren Fach permanentes Verwischen von Termini zum Konzept erhoben hat. Die Autorinnen beißen sich an der Begrifflichkeit der „reinen“ Informatik als Synonym für die theoretischen Anteile des Faches fest und  missverstehen damit Aussagen ihrer Interviewpartner so gründlich, dass es fast schon bösartig zu nennen ist.

Insbesondere scheinen sie in den Interviews auf die Frage abgestellt zu haben, welche Relevanz die Studenten mehr „Diversity“ in der Informatik beimessen. Konkreter: Welchen Einfluss würden mehr Frauen in der theoretischen Informatik auf diesen Bereich haben? Logische Antwort: Keinen, weil ein theoretisches Fach nicht danach kuckt, was wer zwischen den Beinen baumeln hat oder nicht oder zu welchem Eichhörnchen ihn die Gesellschaft gemacht hat. Formal-logisches Denken bleibt formal-logisches Denken, egal ob das Männer tun, oder Frauen, oder hochgezüchtete zwittrige Regenwürmer-Cyborgs. Dass mehr Frauenanteil in der anwendungsorientierten Informatik gut täte, konzidieren ja alle Studenten.

Die Autorinnen machen aus dieser extrem unsexistischen Einstellung nun das glatte Gegenteil, und zwar mit folgendem rhetorisch gelungen, inhaltlich jedoch vollkommen blödsinnigem Syllogismus: Wenn man sage, dass Frauen auf die theoretische Informatik keinen Einfluss haben (weil diese geschlechtsunabhängig ist und es keine spezifisch-weibliche theoretische Informatik geben kann), spricht man ihnen ab, dass sie in diesem Bereich etwas verändern könnten. (Das ist schon falsch, man spricht ihnen nur ab, dass sie aufgrund ihres Frauseins etwas verändern könnten, was nicht auch ein Mann verändern könnte) Wenn sie in diesem Bereich nichts verändern können (was nie die Aussage war!), könnten sie nur im „Drumherum“ etwas verändern. Wenn Frauen aber nur das Drumherum verändern könnten, dann werden – Achtung, jetzt kommts – „sowohl die Informatik, die sich mit dem Drumherum befasst, als auch die Frauen, die nur auf dieses Drumherum Einfluss nehmen können, als unbedeutend für die Informatik erklärt“ (S. 284). Ist das nicht geil?

Auch den praktisch-technischen Teil der Informatik verstehen die Autorinnen nicht. Sie scheinen der Vorstellung anzuhängen, dass Techniker im stillen Kämmerlein Technik entwickeln, der ihre „gegenderten Skripte einschreiben“, und dann die Technik auf die arme Menschheit loslassen. Sie ignorieren vollständig, dass es eine Gesellschaft, einen Markt gibt, die bestimmte Problemstellungen hat und dafür Lösungen sucht. Technik – auch Softwaretechnik – sucht Lösungsmöglichkeiten für konkrete Anforderungen der Gesellschaft und stellt diese bereit. Sie ist nie unabhängig von den Anforderungen. Die Vorstellung, man könne die Technik verändern, in dem man die statistische Verteilung der Techniker innerhalb sexueller/ethnischer/wasauchimmer Kategorien ändert, ist falsch, weil alle die Technik betreiben, so sie ihr Fach ernst nehmen, auf Anforderungen von außen reagieren.

Ohne nähere Angaben, wie sie zu diesem Schluss kommen, behaupten die Autorinnen nun aber, Informatikstudenten seien samt und sonders erstens Rassisten und zweitens Sexisten, auch wenn sie das mit einem Blümchenrand formulieren: „Das Merkmal ausländische Herkunft aktiviert stereotypisierende Eigenschaften, welche auf die Person mit diesem Merkmal übertragen werden“ (S. 285), .„Die Informatik wird als eine männliche beschrieben, zu der Männer eine besondere Befähigung haben“ (S. 285). Als Norm dargestellt würde die „dominante Gruppe (westliche, weiße Männer)“ (S. 284). Na also, da ist es wieder, das Feindbild der Genderistin. Weil das so sei, brauche man dringend mehr „Diversity“, auf dass Informatikprodukte frei von diesen weißen, männlichen, sexistischen und rassistischen Skripten würden, die weiße Männer ihnen einschrieben.

Allerdings scheinen die westlichen weißen Männer nach Ansicht der Autorinnen etwas schaffen zu können, was nach ihrer Meinung westliche weiße Frauen oder zugewanderte Inder nicht schaffen können: Die Zugangshürden für ein Informatikstudium zu nehmen. Damit es mehr „Diversity“ in der Informatik geben könne, müssten nämlich für alle, die keine weißen Männer sind, Voraussetzungen für einen erleichterten Studieneinstieg geschaffen werden. Die Autorinnen zählen dazu „die Anpassung der Aufnahmekriterien und das Anbieten von Einstiegskursen“ (S.286). Unverblümt formuliert: Frauen und Ausländer sind nach Meinung der Autorinnen zu blöd, die Anforderungen zu erfüllen, die heute im Rahmen des Einstiegs in ein Informatik-Studium gelten, weshalb man hier die Ansprüche absenken und zusätzliche Unterstützung anbieten müsse.

Das ist rassistisch. Das ist sexistisch.

Der Horizont der weiblichen Autoren des Heftes endet offenbar direkt nach der Beschäftigung mit dem eigenen Geschlecht. Zu zeigen, dass „Weltbilder in der Informatik“ als Thema mehr beinhalten kann als „Die eingebildete Benachteiligung von Frauen in der Informatik“ bleibt also einem Mann überlassen. Christoph Schneider darf seine Bachelor-Arbeit verwursten und schreibt in „Das muss man für sich abwägen oder: Das moralische Wissen von Studierenden der Informatik“ über eben dieses. Leider ist der Inhalt dieses Artikels ebenso schwach wie der Rest des Heftes. Wes Geistes Kind der Autor ist, sieht man schon formal daran, dass er sich nicht entblödet, hinter generische Maskulina in Zitaten ein „[sic!]“ zu setzen (S. 290, S.291).  Aus dem ganzen Artikel spricht – erneut, wie im Rest des Heftes – der Wunsch, Informatiker sollten sich doch weniger Informatik machen und mehr über Informatik reden. Am besten wie bei den Soziologen.

Im Wesentlichen kritisiert er, dass angehende Informatiker sich zwar Gedanken über ihr persönliches Handeln in konkreten Projektsituationen machen, aber sich nicht groß um die gesamtgesellschaftlichen Implikationen ihres Tuns scheren würde, wobei er vermeidet, diese konkreter zu benennen. Zwar gehe es ihm nicht darum, „Handlungspraxen als „unmoralisch“ darzustellen“ (S. 288), dennoch sei „eindeutig eine recht simple und subjektive Struktur moralischer Reflexion“ (S. 291) erkennbar, was Bände über die Situation an Universitäten spräche. Was am Artikel am meisten missfällt: Die Analyse ist vollkommen falsch. Würden sich Informatikstudenten nur um ihre individuelle Verantwortung kümmern und sich nicht auch gesellschaftlich aus ihrer Profession heraus und mit ihrem dort erlangten Wissen engagieren, würden sie nicht um die Notwendigkeit von Technikgestaltung wissen, wäre etwa eine vorwiegend von jungen Informatikern und Ingenieuren getragene Piratenpartei nie entstanden. Die Realität lacht der soziologischen Erkenntnis Hohn.

Britta Schinzel liefert anschließend eine „Diskussion der Ergebnisse und Resümee„. Ohne sich noch mit Belegen für ihre Behauptungen aufzuhalten, unterstellt sie den befragten Studenten, deren Kenntnisse „zu Gender und Diversity gründeten auf eigenen Meinungen oder auf Halbwissen, die zu einem Gutteil von Vorurteilen geprägt sind“ (S. 294).

Studenten seien laut Schinzel – wiederum ohne dass sie dafür Belege anführt – der Meinung, im formalen Kern der Informatik „hätten Frauen mangels Kompetenz auch nichts zu suchen“ (S. 294). Schinzel ist seit zwanzig Jahren der Meinung, dass Frauen in der Informatik unter den Bedingungen leiden. Wenn die Frauen in den Interviews wohl durch die Bank geäußert haben, sie fühlten sich im Informatik-Studium „gut eingebettet und angenommen“ (S. 297), dann kann das nicht sein. Für Frauen muss es einfach „nach wie vor schwierig [sein], sich in diesem Studium zu verorten und zu behaupten“ (S. 297). Da können die Studentinnen noch so oft das Gegenteil erklären. Das liegt dann daran, dass sie sich diese ihre Schwierigkeiten „meist nicht bewusst machen“ (S. 297). Die Chuzpe, mit der von der Autorin hier die Aussagen ihrer Interviewpartnerinnen ins Gegenteil verdreht werden, lässt erstaunen. Schopenhauers Kunstgriff Numero Vierzehn auf Dope.

Tanja Paultz und Bianca Prietel von der RWTH Aachen schreiben sodann über „Spielarten von Männlichkeit in den „Weltbildern“ technikwissenschaftlicher Fachgebiete“. Sie geben im Untertitel vor, hier „eine vergleichende empirische Studie an österreichischen Technischen Hochschulen“ vorzulegen. Das Studienlayout bestand darin, 19 (in Worten neunzehn) Ingenieurwissenschaftler qualitativ zu interviewen (S. 301). An dieser Stelle habe ich mir nochmals den Untertitel angesehen und die Lektüre des Artikels für beendet erklärt.

Abschließend behauptet Cecile K.M. Crutzen „Nicht menschlich ist auch Gender„. Dieser Artikel lohnt als einziger im Heft eine tiefergehende gedankliche Beschäftigung, die ich in einen weiteren Blogpost auslagern will. Zwar zeigt sich auch in diesem Text, der sich ausführlich mit dem untauglichen Konzept der „Skripte“ beschäftigt, die die männliche Technikwelt angeblich in ihre Produkte einarbeiten würde um den weiblichen Teil der Bevölkerung zu unterjochen, nackte Ideologie dürftig mit einem Wissenschaftsmäntelchen bekleidet. Dennoch scheint die im weiteren formulierte Überlegung, auch Software oder andere technische Systeme wie etwa Überwachungskameras als Akteure in einem sozialen Netz zu begreifen, zumindest einmal des Darüber-Nachdenkens wert. Wie gesagt, in einem nächsten Beitrag.

Resümee

Das Heft ist ärgerlich. Mit Mitteln der Gesellschaft der Informatik und jeder Menge Steuergeldern, jedesmal also auch mit meinem Geld, verkauft die Genderlobby uns hier Pfründesicherung als Wissenschaft.

Die Gesellschaft der Informatik bietet mit ihrer Fachzeitschrift dem selbstreferenziellen Zitatekarussel der Gender-Studies samt Woozle-Effekt eine weitere Plattform. Öffentliche Bibliotheken, die die Zeitschrift abonniert haben, sind gezwungen, für diesen Mist einen Hunderter an Springer abzudrücken.

Die Autorinnen wählen bewusst mit den unstrukturierten Interviews eine Methodik, die sich jeder Nachprüfbarkeit der Ergebnisse entzieht. Wo Einzelaussagen in die vorgefasste Meinung der Forscher passen, werden diese zu generellen „Weltbildern der Informatik“ hochgejazzt. Wo sie nicht passen, wird den Interviewten unterstellt, sie hätten zu wenig Problembewusstsein. Wo man keine Interviewaussagen hat, die in die eine oder andere Richtung passen, werden, wie bei Schinzels Resümee, Aussagen zusammenphantasiert.

So spricht das Heft Bände nicht über die Weltbilder in der Informatik, sondern über die Weltbilder in der Soziologie und Genderforschung im Allgemeinen, und der Persönlichkeit der Autorinnen im besonderen, die dem Feld der Technik offenbar mit einem solchen Unverständnis begegnen, dass sie es nur als grundsätzlich defizitär erleben können.

Es bleibt zu hoffen, dass sich die Verantwortlichen in den Instituten und Behörden, bei der GI und bei allen anderen, die mit der Entwicklung und Weiterentwicklung des Fachs zu tun haben, resistent gegenüber den Forderungen der Autorinnen dieses Heftes erweisen. Dass alle, die auf Konferenzen, Hearings und in Vorlesungen eingetrichtert bekommen sollen, dass man auch diejenigen als Informatiker bezeichnen kann, die sich mit Soziologie beschäftigen, dem ein deutliches „Nein, kann man nicht“ entgegenhalten. Denn die Grundlagen, auf denen diese Forderungen erhoben werden, sind – das habe ich oben ausführlich gezeigt – alles andere als wissenschaftlich. Es sind politische Forderungen, die der Pfründesicherung einer immer größer werdenden Schar von Gender-Studies-Absolventinnen dienen sollen, die nichts nützliches gelernt haben.

Die Informatik ist nicht frauenfeindlich, sie schottet sich nicht gegenüber ihren Anwendern ab. Geht man nach den Aussagen im Heft, haben die Studenten des Faches eine realistische Einschätzung davon, was im Studium und im Beruf auf sie zukommt und was das Selbstverständnis der Profession ist. Die Autorinnen behaupten das Gegenteil, bleiben die Begründungen aber schuldig. Die von ihnen vorgeschlagenen Heilmittel bestehen ausschließlich darin, die Beschäftigung von Menschen ihrer Profession stärker in die offiziellen Informatik-Curricula einzubinden. Eigennutz darf also unterstellt werden.

Die Informatik sollte jedenfalls nicht durch diesen Reifen springen, den ihr ein paar Möchtegern-Dompteusen hinhalten.

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