Monatsarchiv: Mai 2013

Tischkantenbeißer des Tages

Mit Datum vom 23.Mai stellt die CDU-Fraktion im Rat den Antrag, dieser möge beschließen, dass die Verwaltung Vorschläge erarbeite, wie sich die Stadt Bochum im „HWWI/Berenberg-Städteranking“ verbessern könne, in dem wir hier in dieser Stadt nicht ganz grundlos mal wieder grottenschlecht abgeschnitten haben.

Was bitte hat die Verwaltung damit zu tun? Liebe Politiker, dafür zu sorgen, dass die Lebensqualität in dieser Stadt steigt, ist Eure ureigene, politische Aufgabe. Wie Ihr die Rahmenbedingungen setzt, damit hier moderne Unternehmen moderne Arbeitsplätze schaffen können. Wie Ihr die Rahmenbedingungen setzt, damit tausende Studenten, die Bochum ausbildet, nicht nach dem Studium weg ziehen, weil sie hier nicht tot über’m Zaun hängen wollen. Wie Ihr dafür sorgt, dass Leute hier Häuser kaufen und renovieren, statt sie kaputtgehen zu lassen. Wie Ihr dafür sorgt, dass statt dieser vor Langeweile und Lieblosigkeit strotzenden Innenstadt ein lebenswertes Stadtbild entsteht, das Menschen von außerhalb anzieht. Da hat nicht die Verwaltung irgendwelche „Konzepte“ zu erarbeiten, da habt Ihr als Parteien und Ratsfraktionen Ideen zu entwickeln, und zwar nicht als Hauruckaktion um irgendeine dämliche Ranking-Kennzahl nach oben zu treiben, sondern als wichtigste Investition in die Wählerstimmen von uns Bürgern. An diesen Ideen messen wir Euch.

Also lasst Euch gefälligst Eure legislativen Hausaufgaben nicht von anderen machen, sondern erledigt die selber! Und zwar pronto. Sonst ist Eis Essen heute nachmittag gestrichen, und zwar sowas von!

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Wie man sich in der städtischen Förderung festfrisst

Die Anlage „Betriebskostenzuschüsse Freie Szene ab 2013 ff“, die sich im Ratsinformationssystem zur letzten Sitzung des Ausschusses für Kultur und Sport findet, ist doch mal wirklich eine feine Informationsquelle.

Erstens liefert sie eine wichtige Zahl, die wir in der Diskussion über Kunst und Kultur in Bochum im Hinterkopf haben sollten: Die Freie Theaterszene wird in dieser Stadt mit knapp einer Million Euro im Jahr bezuschusst.

Aber, und das erstaunt mich wirklich: Ein Drittel dieser Förderung, 340.000 Euro jährlich, sackt sich der Bahnhof Langendreer ein. Ich mag den Bahnhof, er macht gutes Programm. Aber mal ehrlich: Da ist’s eigentlich bei jeder Veranstaltung gerappelt voll, die Eintrittspreise sind nicht gerade moderat, und am Getränkeverkauf wird auch noch gut mitverdient. Eigentlich könnte sich der Bahnhof inzwischen selber tragen. Zweiter großer Geldempfänger ist das Prinzregenttheater mit 200.000 Euro im Jahr.

Zum Vergleich: Das Rottstraße 5 Theater scheint mit 20.000 Euro Förderung im Jahr auskommen zu müssen.

Hier wird schon deutlich, dass die Alteingesessenen der „freien“ Szene so frei gar nicht mehr sind. Sie haben sich an den städischen Fördertöpfen festgenuckelt und sind mittlerweile im Haushalt der Stadt fest eingepreist.

Ich habe absolut nichts gegen eine Förderung der freien Theater-Szene einzuwenden, die ist eines der wenigen Pfunde, mit der die Stadt wirklich wuchern kann. Aber vielleicht sollte man mal überlegen, ob man die Fast-Selbstläufer mal zum Selbstlaufen anhalten und in der Förderung nicht mal ein bisschen runterfahren kann, zugunsten jener Initiativen, die noch im Aufbau sind.

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Qualitätsmedien im Ruhrgebiet

Die Ruhrnachrichten illustrieren heute auf ihrer Webseite einen Bericht über den Malakowturm der Zeche Brockhauser Tiefbau in Stiepel mit einem Foto des Malakowturms der Zeche Julius Philipp in Bochum. Was war sonst noch los? Verkaufsoffener Sonntag, Ricardo Bielecki (wer auch immer das ist) ist bei DSDS (was auch immer das ist) raus und bei einem Autounfall kam ein Hund ums Leben.

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Männerrechtliche Strömungen

Robin springt ein bisschen den Männerrechtlern bei. Ich begrüße das ungemein, finde aber die Argumentation im Text nicht ganz sauber. Da geht mir zu vieles bunt durcheinander. Vielleicht würde es ja helfen, mal die diversen Strömungen, die sich in dem, was man so unter „Männerrechten“ subsummiert, mal ein bisschen ordnen würde. Da wird nämlich zu viel in einen Topf geworfen und kräftig umgerührt.

Zum einen gibt es da die Väter- und Männerrechtsbewegung. Denen würde ich eigentlich den Namen „Maskulisten“ am ehesten verpassen wollen, weil es dem entspricht, was der Feminismus (ursprünglich mal) wollte: Strukturelle(!) Benachteilung von Männern aufzeigen und dagegen angehen. Manndat wäre ein typischer Vertreter.  Männer, die in den real existierenden Strukturen erfahren mussten, wie man auf verlorenem Boden insbesondere um Bindung an seinen  Nachwuchs kämpft. So wie der Feminismus nicht akzeptieren konnte, dass Frauen ihren Mann um Erlaubnis nachsuchen müssen, wenn sie arbeiten wollten, so kann der Maskulismus nicht akzeptieren, dass Väter die Mutter um Erlaubnis nachsuchen müssen, wenn sie mit ihrem Kind Umgang haben wollen.

Aus der Analyse der Strukturen, die zu solch rechtlichen Benachteiligungen geführt, hat sich eine zweite Motivlage entwickelt, die man als „Antifeminismus“ bezeichnen kann, die aber besser als „Anti-Gendermainstreamerismus“ bezeichnet werden sollte, weil er sich nicht gegen die Rechte von Frauen wendet, sondern gegen deren staatlich geförderte Bevorzugung. Denn eine (nicht die einzige!) der Ursachen für die von der Maskulistenbewegung aufgezeigten Benachteilungen von Männern in manchen Bereichen insb. des Familien- und Arbeitsrechts ist die durch das Gender-Mainstreaming erzeugte strukturelle Verankerung feministischer Ideologie (und Ideologinnen) in Parteien, Parlamenten und Behörden, auf informeller Basis auch in den großen Unternehmen. Die Quotendiskussion ist der jüngste der Auswüchse dieser Verankerung. Dazu kommt die Tatsache, dass Massenmedien insb. junge und hübsche Frauen als Protagonisten und als Medienschaffende massiv hofieren, wenn – und nur wenn – diese die Gender-Mainstreaming-Ideologie unhinterfragt mittragen. Siehe Aufschrei-Debatte und Lobbying durch pro-quote.de. Neben der strukturellen, durch Quotenregelungen in den Parteien und Gleichstellungsbeauftragte in den Verwaltungen de jure praktizierten Bevorzugung von Frauen in zwei Gewalten haben wir also noch dazu eine Problematik mit de facto einseitiger Diskurssetzung durch die vierte Gewalt. Auch in der dritten Gewalt sitzt inzwischen mit Susanne Baer eine Verfassungsrichterin in Amt und Würden, deren politische Agenda jedem Verfassungsjuristen ein Gräuel sein müsste.

Auch an den Universitäten machen sich dank Gender-„Wissenschaften“ steuergeldfressende Lehrstühle und Lerninhalte breit, denen jegliche Wissenschaftlichkeit abgesprochen werden muss. Das ganze wird garniert durch Sprachpanschereien und schlampiges Denken. Dagegen wehren sich Leute wie Michael Klein und Heike Diefenbach von den sciencefiles (wenngleich mir zu rabulistisch und neoliberal) oder Hadmut Danisch, der mir bei aller Brillianz leider manchmal zu legalistisch daher kommt. Diese Strömung halte ich für die momentan notwendigste – der Unterschied zwischen Gleichberechtigung (Chancengleichheit) und Gleichstellung (Ergebnisgleichheit) muss dringendst auf die politische Agenda, hier werden viel zu viel Resourcen fehlallokiert, das können wir uns auf Dauer nicht leisten.

pickupEine dritte Strömung ist die Evolutionspsychologie, die wohl kaum größere Beachtung gefunden hätte, wäre sie vom Pickup nicht so überaus erfolgreich instrumentalisiert worden. Während der Antifeminismus im Kampf gegen das Gender-Mainstreaming die protegierte Unwissenschaftlichkeit und verfassungswidrigen Auswirkungen dieser Ideologie im Blick hat, birgt die Evolutionspsycholgie meines Erachtens den größeren Sprengstoff, weil sie den theoretischen Unterbau des Feminismus selbst angreift und als reine Theologie entlarvt. Denn sie erklärt deutlich einfacher als der Feminismus, warum unsere gesellschaftlichen Strukturen so sind, wie sie sind. Warum diese Strukturen menschlich, und eben nicht ausschließlich männlich, sind. Ganz ohne den feministischen Glauben an ein „Patriarchat“, sondern einfach aus den evolutionären Konsequezen der Tatsache, dass Frauen an einem Kind neun Monate „arbeiten“ müssen, aber Männer nur zwei Minuten. Christians Blog „allesevolution“ argumentiert primär aus dieser Denkschule heraus.

All together now

Aus diesenantifem drei Quellen speist sich jene Bewegung, die – so mein Eindruck – seit zwei bis drei Jahren Fahrt aufnimmt und immer sichtbarer wird. In Summe handelt sich dabei um eine Gruppe gut gebildeter Männer und leider nur wenigen gut gebildeten Frauen, die – ähnlich wie einst die gut gebildeten Feministinnen – nicht mehr bereit sind, die von vorwiegend halbmächtigen Frauen und wenigen mächtigen Männern persistierten gesellschaftliche Probleme zu akzeptieren, sondern die der Theologie des Feminismus eine neue Aufklärung entgegensetzen wollen. Diese aufklärerische Bewegung kulminiert in Vereinen wie Agens, Arne Hoffmans Blog Genderama oder der von Günter Buchholz initiierten Frankfurter Erklärung.

idiot
Leider unvermeidbar existiert allerdings als letzte Fraktion noch die der Idioten. In jedem Forum gibt es immer ein oder zwei von diesen Typen, Die Dauernd Bullshit Zwitschern. Menschen, die ohne richtig zu verstehen, wie die Argumentationsketten sind, beliebige Aussagen der oben genannten Strömungen packen, aus dem Zusammenhang reißen und in ihr primitives Gut-Böse-Weltbild einbauen. Diese Jungs halten regelmäßig die von der Evolutionsbiologie postulierten instinktgesteuerten Verhaltensweisen von Frauen, die zu bestimmten statistischen Häufungen und Ergebnissen führen, für bewusst durchgeführte Manipulationshandlungen durch Frauen. Das ist nun nichts anderes als radikalfeministischer Glaube ans Patriarchat, mithin reiner Blödsinn. Blogs wie Weiberplage.de oder mann-pass-auf.de gehören für mich mit in diese Ecke. Ich denke es ist wichtig, sich von solchen Primitivgedankengebäuden ab un zu mal zu distanzieren – man(n) kann nicht die Dämlichkeiten der Radikalfeministinnen kritisieren ohne ihren Spiegel im Radikalmaskulismus zu erkennen.

Hilfreich wäre es allerdings, wenn sich diejenigen, denen man das „sapiens“ aus dem homo zuprechen kann, einfach mal darauf einigen würden, die Existenz solcher Idiotenfraktionen auf beiden Seiten nicht länger als Argument zu gebrauchen. Denn weder werden die Mädels in den Ausschnitt sabbernde Vollprolls durch Argumente oder gesetzliche Regelungen los, noch die Jungs psychisch kranke Borderlinerinnen, die im Geiferfeminismus das bequemeste Problemexternalisierungsverfahren gefunden haben. Intelligente Mädels müssen wieder lernen, das Angegraben-Werden durch Knallchargen genauso als naturgegeben zu akzeptieren wie intelligente Jungs wieder lernen müssen, das man im Leben halt nunmal unweigerlich Krampfhennen begegnet, die jeglicher Ratio abhold sind und die trotzdem Entscheidungen zu ihren Gunsten erreichen. Wir sollten einfach akzeptieren, dass es diese DeppInnen als Ausnahmen gibt und Punkt. Wir dürfen nicht glauben, dass es einer freien Gesellschaft gelingen könnte, diese Leute loszuwerden.

Wenn man sich darauf mal einigen könnte, könnte man eventuell deutlich besser an einer Gesellschaft arbeiten, an der jede, jeder und jedes nach seiner Façon selig werden darf.

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Und noch ein Grund

die Piraten nicht zu wählen:

Was für ein kindisches Rumgetrotze. Und das dann noch unter dem Titel „Übergriff“ posten. Mein Gott, und die Tante ist mit meiner Stimme in den Landtag gekommen. #Aufschrei!

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