Monatsarchiv: März 2013

Von Frauen und Sternchen

Der folgende Text war eigentlich als Antwort auf Antje Schrupps Geistesblitz gedacht, dass Frau sein und Kinder kriegen irgendwie miteinander zu tun haben könnte. Er sollte meine meine dort geäußerte steile These ergänzen, dass es insbesondere in diesem Kontext vollkommen blödsinnig sei, zu behaupten, Kinder würden von Frauen* geboren, also von Frauen mit dem bescheuerten Sternchen hinten dran, das ja neuerdings anzeigen soll, dass das Wort Frau nicht nur die zur Frau Gemachten bezeichnen soll (oder gerade doch?) sondern irgendwie alle, die irgendwie meinen, Frau zu sein. Weil ja, so Frau Schrupp, die Bedeutung von “Frau” doch irgendwie „viel komplexer [sei] als Mensch, der schwanger werden kann“. Was, wie gesagt, im Zusammenhang mit einer erfolgreichen Geburt einfach unreflektierter Mumpitz ist.  Da Frau Schrupp aber Kommentare, die Ihrer Weltsicht entgegenlaufen, offenbar nicht freizuschalten gewillt ist, erscheint das ganze hier.

@Antje Schrupp: Wie komplex die Bedeutung des Wortes „Frau*“ angeblich auch sein mag: Damit ein Kind „rausrutscht“, wie Du Dich so despektierlich auszudrücken beliebtest (kleiner Hinweis: da rutscht in der Mehrzahl der Fälle nix, sondern das erfordert ziemlich schmerzliches Gepresse und Gereiße, und im Wortsinne Blut und Tränen), braucht es keine dieser angeblichen „komplexen Bedeutungen“. Damit ein Kind geboren wird, bedarf es einer sehr simplen Bedeutung, nämlich einer Frau, die schwanger wurde. Punkt. Zeussche Femur-Gestationen sind von der Natur beim Menschen ebensowenig vorgesehen wie Homunculi oder vegetative Vermehrung. Es braucht dazu (nebst einer Eizelle und einem Spermium, im natürlichsten Falle begleitet von einem Schwanz in einer Muschi) exakt eine Menschin, die schwanger werden kann, und exakt einen Menschen, von (mit, durch, whatever) dem sie schwanger wird.

Vulgo Frau und Mann. Geschlecht, nicht Gender. Keinen Schwulen, der sich als Frau empfindet, keine lesbische Frau, die nicht schwanger werden will, keine männliche Lesbe, die gerne eine schwule Frau sein würde. Kein transsexuelles Eichhörnchen. Es ist völlig egal, was irgendwer glaubt, was im Wörtchen Frau alles an mehr oder weniger häufigen Sonder(!)fällen mitschwingen könnte.

Damit ein Kind geboren wird, braucht es nämlich nichts als den Normalfall, und jeder Sonderfall führt dazu, dass eben kein Kind geboren wird. Es braucht einen Menschen weiblichen Geschlechts und einen Menschen männlichen Geschlechts, Frau und Mann, die (und nur die) miteinander neues Leben hervorbringen. Es ist immer eine Frau, die schwanger wird, keine Frau*. In dem Moment, in dem in einem Text das nicht mehr gesehen wird, wird der Text zum theoretischen Gefasel, das schlicht und ergreifend für die Lebenswirklichkeit und für das, was das Menschsein letztlich ausmacht, vollkommen ohne Relevanz ist. Dieses kleine, unüberlegte Sternchen hinter dem „Frau“ ist mehr als ein Flüchtigkeitsfehler. Es zeigt die große Unüberlegtheit einer Elfenbeinturm-Theorie, die sich von der Lebenswirklichkeit unüberbrückbar weit entfernt hat.

Insofern begrüße ich ja sehr Deine Erkenntnis, dass es mit dem „schwanger werden können“ irgend etwas auf sich haben könnte, dass in feministische Theorien einzuarbeiten wäre. Ich schätze aber, dass, wenn Du dieses Flämmchen gedanklich nährst, diesen Ansatz wirklich mal unvoreingenommen konsequent durchdenkst, Deine ganze feministische Theorie wie ein Kartenhaus zusammenbrechen wird. Bin gespannt, ob Du den Mut dazu hast, oder lieber wieder jene doktrinären Scheuklappen aufsetzt, die zu dem Sternchen hinter der Frau geführt haben.

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März 19, 2013 · 6:42 am

Wie man Geld zum Fenster rausschmeißt

ist in Bochum ja hinlänglich bekannt. Eine der Methoden ist es, die „ecce“ des Dieter Gorny zu füttern, der in der der Stadt an allen möglichen und unmöglichen Orten „Kreativquartiere“ aufmachen will. Jetzt hat er wieder eine solche Ecke entdeckt.

Diejenge nämlich, in der sich die altbekannte und geliebte Zeche nebst Prinzregenttheater befindet. Jetzt soll da nämlich irgendwie (siehe Beschlussvorlage der Verwaltung Numero 20130077) ein „Institut für Populäre Musik/Popakademie im Kontext eines urbanen Erlebnisraumes“ hin.

Oh.

Mein.

Gott.

Die Stadt Bochum mietet dafür (so beschlossen im Rat am 17.2.2013) mal eben für 50000 Öcken pro Jahr Flächen an, damit irgendwie Pop-Creative, die Gorny irgendwie auftreiben will, irgendwo in der Zeche Bochum irgendwas mit Pop-Musik irgendwie in Kooperation mit der Folkwang-Hochschule und dem Land NRW und/oder/aber möglicherweise doch nur mit der mir irgendwie dubios erscheinenden Berufsakademie „SAE Institute“ machen sollen. Das in der Hoffnung, dass die Symphoniker bis 2016 ins neue Musikzentrum umziehen (haha) und dann die hunderte hippen Popmusik-Studenten, die es garantiert nach Bochum (statt nach Düsseldorf, Köln, Berlin, Liverpool oder einfach nur an den Musical-Studiengang nach Essen) locken wird, deren alte Räume weiter nutzen können, für die bis 2018 noch Miete gezahlt werden muss (@Dr. Steude: Da tut sich noch ein Millionenloch auf, das Ihr übersehen habt!). Die Folkwang will sich zwar eigentlich auch möglichst zentrumsnah am alten Thürmer-Saal konzentrieren. Aber man kann ja trotzdem mal von der „Nähe des Folkwang Theaterzentrums im Umfeld des ViktoriaQuartiersBochum zur Zeche Bochum“ schwafeln und vom relativ schwer erreichbaren Arsch der Welt an der Prinzregentenstraße als als einem urbanen Erlebnisraum delirieren. Oder von einer „ökonomische[n] Anbindung – zum Beispiel an den Folkwang Partner SAE-Institute im ViktoriaQuartierBochum“. Äh…ViktoriaQuartier? Liebe Stadtfunktionäre, da ist eine Brache (und eine Hochbahn-Trasse). Es gibt kein Viktoria-Quartier, an das etwas anzubinden wäre. Und das SAE Institute, das ist ins Zentralmassiv am Springerplatz gezogen. Der ist von der Zeche etwa eine Stunde Fußmarsch entfernt (vom ÖPNV mal gar nicht zu reden). Und was hat die Nähe zu einer privaten Bildungseinrichtung, die Bologna-sei-Dank nun auch Bachelors verleihen darf, bitte mit dem angeblich doch von der Folkwang-Hochschule betriebenen Institut zu tun?

Oh mein Gott, wie gesagt. Wer einen Text wie diese Beschlussvorlage liest, und irgendwie für diese Stadt verantwortlich handeln soll, der muss doch bitteschön eine ernstzunehmende Entwicklungsperspektive, deren Wahrnehmung und finanzielle Pamperung ich jederzeit begrüßen würde, von hohlem Verkäufergeschwafel und Buzzword-Bingo unterscheiden können. Mehr ist zu der Beschlussvorlage der Verwaltung, die vermutlich von interessierten Kreisen in die Feder diktiert wurde, nämlich nicht zu sagen.

Das Ding ist schon heute so tot wie die Design School Zollverein in Essen. Aber „nach kurzer Diskussion“ hat fast der ganze Rat (die FDP hat sich enthalten, und die SL  dagegen gestimmt), diesen Blödsinn geschluckt.

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