Monatsarchiv: Januar 2013

Seit heute

gibt’s ne neue Antisemitismus-Definition. Antisemitismus ist, wenn man sich (bei wem eigentlich?) nicht entschuldigt, nachdem einen das Simon-Wiesenthal-Zentrum ziemlich grundlos einen Antisemiten genannt hat.

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Tischkantenbeißer des Tages

Antje Schrupp schrub:

Seit einiger Zeit hörte ich immer mal wieder hier oder da nebenbei von dieser TV- und Buchserie namens “A Game of Thrones”. [… ]  Denn obwohl das Buch die rechte Strandlektüre war – liest sich so ratzfatz weg – wurde ich doch immer verwunderter darüber, dass jemand heutzutage, am Anfang des 21. Jahrhunderts, so ein Setting wählt: Tiefstes Patriarchat im Stile des europäischen Mittelalters. Und dass das dann auch noch so ein Publikumserfolg wird. Ich mag sowas nämlich eigentlich gar nicht lesen.

Hat Sie aber. Und zwar ratzfatz weg. Schon blöd, wenn sich das Unterbewusstsein nicht der  reinen feministischen Lehre unterordnen will und die ganze sexistische Kackscheiße genüsslich wegschmökert. Völlig unverständich, wie das ein Publikumserfolg werden kann…

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Stressreport (1)

Der mediale und gewerkschaftliche Aufschrei Stressist grade groß ob des erschienenen „Stressreport Deutschland 2012“.

Stress am Arbeitsplatz wird laut dem „Stressreport Deutschland“ für immer mehr Arbeitnehmer zur Belastung.

titelte Tagesschau.de gestern (und der Rest der Online-Ausgaben der Zeitungen ähnlich). So weit so richtig. Was falsch ist, ist der von den Gewerkschaften vorgelegte und von den Medien munter aufgegriffe Tonfall der Diskussion, der dahin geht, dass die Belastungen immer größer würden (durch Arbeitsverdichung, ständige Erreichbarkeit, etc.). Denn das steht in dem übrigens löblich im generischen Maskulinum gehaltenen und daher gut lesbaren Bericht einfach nicht drin. Schon im Abstract heißt es, dass

es bei den Anforderungen und Ressourcen seit der letzten Befragung von 2005/2006 kaum Veränderungen gibt.

Was zugenommen habe, sei

die subjektiv wahrgenommene Belastung […], ebenso auch die Beschwerden

Mit anderen Worten: Im (statistischen Ergebnis) haben die Leute nicht mehr Druck als vor acht Jahren. Sie fühlen sich nur gestresster, und sie werden schneller krank vom Stress. Sie sind weniger belastungsresistent. Die Gründe dafür sind möglicherweise nicht in der Arbeitswelt zu suchen, wenn sich objektiv betrachtet an den Arbeitsplätzen wenig verändert hat.

Der Report zeigt im übrigen ein paar interessante Details auf, wenn man mal nach dem Stichwort „Frauen“ sucht. Am interessantesten für mich beim ersten kursorischen Überfliegen: Erstens: Frauen in Führungspositionen fühlen sich stärker überlastet als Männer in Führungspositionen. Zweitens, was für jemanden, der ein paar Unternehmen von innen kennt auch nicht so verwunderlich, ist: Männer haben größere Schwierigkeiten, Familie und Beruf unter einen Hut zu kriegen als Frauen.

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Tischkantenbeißer des Tages

Die Apothekenumschau, das Flagschiff des investigativen Journalismus in Deutschland, scheint ein Problem mit einem satirischen Tweet zu haben, der da lautet:

„Apotheker-Lobby spionierte im Gesundheitsministerium“ – Der Name „Apotheken-Umschau“ bekommt so eine ganz neue Bedeutung!

Und setzte, wie in mehreren Foren berichtet wird, Anwälte drauf an. Naja, es ist Winter. Streusand, äh, Streisand liegt ja momentan genug rum.

(Update: Nur zur Klarstellung: Die Apothekenumschau hat mit den Apotheken in der Tat nix zu tun, insofern vielleicht verständlich, dass sie (bzw. der dahinter stehende Verlag) sich über den Konnex ärgert. Sie wird von den Apotheken nicht gemacht, sondern notgedrungen gekauft. Dumm bleibt es trotzdem, irgendwas per Anwaltspost aus dem Internet löschen zu wollen. Um von der damit kommunizierten Humorlosigkeit der handelnden Personen mal ganz zu schweigen.)

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#Aufschrei

Pinto bei Frau Meike:

Männer die Frauen belästigen, oder mit herablassenden Sprüchen nerven, sind keine Sexisten. Sondern Idioten. Wir haben in erster Linie kein Sexismus-Problem, sondern ein Arschloch-Problem.

Damit ist über das bekloppte #Aufschrei-Getwittere, das ja angeblich latenten Sexismus zeigen soll, alles wesentliche gesagt.

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Und wieder ein neues Opfer-Abo verkauft

So langsam wird’s für die Gesellschaft für Deutsche Sprache Zeit, mit dem Unsinn der „Unwörter des Jahres“ aufzuhören. Die zeigen nämlich nicht in erster Linie einen dummen Umgang mit der deutschen Sprache, sondern ein dummes Verständnis von deutscher Sprache durch die beteiligten Germanisten und Journalisten. Ok, mal ist ein Treffer übelsteuphemistischer Sorte dabei („Kollateralschaden“), aber in der Regel sind die Unwörter alles andere als Unwörter, sondern zeigen einen pointierten Umgang mit unserer Sprache. Und die Jury kritisiert dann eben nicht mehr den Umgang mit der Sprache, sondern – in der Regel – politische Einstellungen.

Ein intelligent geprägtes Wort, das einen politisch unkorrekten Gedanken witzig auf den Punkt bringt, ist schonmal ein guter Kandidat. „Herdprämie“ beispielsweise. Genauer kann man das „Betreuungsgeld“ nicht bezeichnen. Jeder weiß, was gemeint ist: Das Betreuungsgeld ist ein Zuckerl für die, die im „klassischen“ Rollenmodel leben (wollen und sollen und dürfen). Zack, bumm. Sitzt. Treffer, versenkt. Phantastische Sprachbeherrschung. Und was sehen unsere überambitionierten Sprachhüter darin? Ein „Diffamierung“ von Eltern, die Kinder zu Hause erzögen. Huch, wie schröcklich.

Was ich auch immer besonders lustig fand, war die Kür von „Humankapital“ zum Unwort des Jahres 2004. Mir ist zwar unklar (und ich bin auch zu faul zum recherchieren), wo das Wort zum ersten Mal auftauchte. Aber sogar ich hab in meinem Ingenieursstudium vor zwanzig Jahren gelernt, was es bezeichnet: Die Einstellung, dass die Mitarbeiter Kapital eines Unternehmens sind. Wertvoll, zu hegen und zu pflegen und zu beachten wie die Gebäude und Maschinen. Und eben nicht nur Kosten, die stören und die man möglichst loswerden muss. Da hat also irgendwer mal versucht, über die Sprache Einstellungen zu verändern (gendergerechte Sprache, anyone?). Und der Schuss ging voll nach hinten los. Weil die versammelte Germanistenmannschaft (Verzeihung, GermanistInnenmannundfrauschaft) der Jury zu blöd war, das Bezeichnete zu sehen und stattdessen im Bezeichner Humankapital ein Wort sah, dass die Mitarbeiter „zu nur noch ökonomisch interessanten Größen“ degradiere.

Wenn Sie als Schöpfer eines Unworts des Jahres in die Geschichte eingehen möchten, ist es auch immer angezeigt, öffentlich Ironie, gar Sarkasmus, zu verwenden, und dies entgegen dem Rat des Adson von Melk vorher nicht laut und deutlich ankündigen. Das „sozialverträgliche Frühableben“, das der Ärztekammerpräsident Karsten Vilmar erfand, gehört in diese Kategorie. Die Jury scheint mir ein bisschen links besetzt, und Linke und Humor, das ging noch nie gut.

Oder Sie machen’s wie Kachelmann, und kritisieren Journalisten (auf diesen Umstand hat dankenswerterweise Michael Klein hingewiesen), die Sie, obwohl sie gerade vom Vorwurf der Vergewaltigung freigespochen und offenbar Opfer einer Falschbeschuldigung geworden waren, fragen, ob Sie nun einmal in sich gehen müssten, was Sie denn falsch gemacht hätten, dass die arme Frau nun so reagiere. Und bescheinigen den Journalisten, dass Frauen wohl auf die Opferrolle abonniert hätten, mit anderen Worten,  dass Frauen offenbar in allen Diskursen als Täter gar nicht wahrgenommen werden könnten sondern grundsätzlich als wehrlose ausgebeutete Hascherl. Wie es die Journalisten gerade beweisen würden. Statt das nun alles lang und ausführlich zu erläutern, erfinden Sie (bzw. Ehre, wem Ehre gebührt, Sie nutzen ein Wort, dass wohl Ihre Frau geprägt hat), das Wort „Opfer-Abo“.

Die Gesellschaft für Deutsche Sprache wird ihnen genau dieses Wort dann im Mund zum Unwort umdrehen. Weil es „Frauen pauschal und in inakzeptabler Weise unter den Verdacht [stelle], sexuelle Gewalt zu erfinden“. Was Sie mit diesem Wort und im Kontext, in dem es gefallen ist, weder gesagt noch gemeint haben. Und genau das ist es, das Opfer-Abo.

qed., möchte man druntersetzen. Im Kritisieren des Wortes beweist die Gesellschaft für deutsche Sprache die Intelligenz hinter dem Wort und Ihre eigene Dummheit. Einstellen, die Aktion. Bitte.

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